INSEL DER 30 TODE
(L‘ILE AUX TRENTE CERCUEILS, Frankreich, 1979, Regie: Marcel Cravenne)
In DIE INSEL DER 30 TODE geht es um Véronique, die nach einem schrecklichen Leben mit ihrem machtsüchtigen Ehemann Vorski in einem Militärhospital arbeitet. Auf ihren Vater, der Vorski ablehnte, wollte sie damals nicht hören. Sie heiratete ihn gegen den Willen ihres Vaters und wurde schwanger. Eines Nachts entführte ihr Vater seinen Enkelsohn François. Ein Zeitungsartikel versichert ihre Tod auf dem Meer.
Véronique, die ihren Ehemann schon 14 Jahre aus dem Weg geht, wird über dessen Tod informiert. Wenig später geht sie mit zwei Kolleginnen ins Kino. In einem Film entdeckt sie ihre Initialen auf einer Türe einer Hütte. Der Drehort führt sie in die Bretagne. Dort trifft sie auf eine Dame, die sie von früher kennt. Sie berichtet ihr, dass ihr Vater und ihr Kind nicht tot sind und auf der Insel Sarek leben. Als Véronique die Insel mit ihren verschrobenen Bewohnern betritt, wird sie in eine mysteriöse Geschichte hineingezogen, deren Ursprünge in der Vergangenheit liegen.
Die fünfstündige Mini-Serie, die auf dem gleichnamigen Roman von Maurice Leblanc (Vater der Detektiv-Figur Arsène Lupin) aus dem Jahre 1919 basiert, entstand unter der Regie von Marcel Cravenne und wurde zu einem großen Erfolg in Frankreich. Verständlich, denn unter dem Strich hat man es hier mit guter TV-Unterhaltung zu tun, die eine ausgeglichne Mischung aus Mystery-Thriller, Krimi und Drama darstellt. Das Insel-Setting und das trübe Wetter beschwört eine beklemmende Stimmung herauf, die sich kontinuierlich hält. Zudem ist die Wahl der Darsteller sehr gelungen. Véronique wird dargestellt von Claude Jade (hier hätte ich mir auch gut Mia Farrow oder Mimsy Farmer vorstellen können), ihr Ehemann, Vorski, wird verkörpert von Jean-Paul Zehnacker (hier kam mir ein Ivan Rassimov in den Sinn). Inhaltlich haben wir es nicht nur mit einem Familiendrama, sondern auch mit dem Streben nach Macht, Manipulation und der Verirrung in religiösem Wahn zu tun. Kurz musste ich an Filme wie WICKER MAN (1973) oder LEBENDIG GEFRESSEN (1980) denken.
Das Problem bei der Produktion ist die Länge. Mit fünf Stunden Spielzeit hat man es hier etwas zu gut gemeint. Es wird mir etwas zu viel und zu lange geredet, was zwar einerseits der Handlung zuträglich ist, aber gleichzeitig auch die Sitzmuskeln etwas zu sehr beansprucht. Zum Ausgleich wartet man aber mit der ein oder anderen recht garstigen Szene auf.
Mysteriös, geisterhaft, aber auch ein bisschen sauerstoffarm zeigt sich die INSEL DER 30 TODE. Wenn man auf Mystery-Stoffe aus Europa steht, darf man hier einen Blick riskieren.
(Bjoern Candidus)
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