DIE GESCHÄNDETE ROSE
(LA ROSE ÉCORCHÉE, Frankreich, 1970, Regie: Claude Mulot)
Frédéric, ein Kunstmaler, ist verzweifelt. Seine geliebte Anne ist bei einen Eifersuchtsstreit mit ihrer Vorgängerin Moira in ein Feuer gefallen, was ihr Gesicht komplett entstellt hat. Für die Öffentlichkeit wird sie für tot erklärt, doch eigentlich lebt sie zusammen mit Frédéric, seiner Hausdame Agnès und den beiden Dienern Igor und Olaf auf einem Schloss. Frédéric will Anne ihre Schönheit zurückgeben und schaltet den ominösen Professor Römer ein, der ihr ein neues Gesicht basteln soll. Doch dafür braucht er das Gesicht einer anderen Frau.
Der bereits mit 44 Jahren verstorbene Claude Mulot hat hier einen recht schicken Gothic-Horrorfilm geschaffen, der auf den Spuren von Georges Franjus Roman-Adaption AUGEN OHNE GESICHT (1960) wandelt, ohne ihn direkt zu kopieren. Mulot entfaltet eine prächtige Gothic-Horror-Stimmung, die die Inszenierung nur selten verlässt. Bereits zu Beginn begrüßt einen das Wasserschloss Duvivier Chateau d’Auneau in Frankreich und erweckt sofort Erinnerungen an die Wunderwelt eines Jean Rollin. Aber es gibt weder Vampire, noch das Meer und keine Standuhren, die als Portal dienen, aber dafür zwei Kleinwüchsige und eine besonders giftige Pflanze, an der man sich nicht stechen sollte. Aber auch Jess Francos Welten schwingen ein wenig mit. Franco hat 1988 mit FACELESS ebenfalls eine Verfilmung des Jean Redon Romans vorgelegt. Doch statt einem Helmut Berger als Chirurgen, fährt man hier den einzigartigen Howard Vernon auf, der aus dem Franco-Universum nicht wegzudenken ist. Doch der Fokus liegt eher auf Philippe Lemaire als verzweifelter Kunstmaler Frédéric. Die weiblichen Rollen werden mit Anny Duperey, Elizabeth Teissier und Michèle Perello bekleidet. Harmonieren tun die Darsteller, aber so wirklich hervorstechen tut niemand, bis auf Roberto und Johnny Cacao als Igor und Olaf. Die Stärke des Films liegt ganz klar in der schauerlichen Atmosphäre. Der Nebel, der um die Mauern wabert, das Heulen des Windes und die schöne Ausleuchtung sorgen für wohligen Grusel. Ein bisschen Gewalt, Sex und ein paar krude Ideen unterbrechen zwar die melancholische, fast traurige Stimmung, andererseits verleihen sie dem Film auch eine zusätzliche Note.
Liebe, Eifersucht, Hass, Wahnsinn und ganz viel Euro-Gothic-Horror erwarten einen in DIE GESCHÄNDETE ROSE.
Liebe und Wahnsinn gehen Hand in Hand.
(Bjoern Candidus)
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