SCHREI DURCH DIE NACHT
(GRITOS EN LA NOCHE, Frankreich, Spanien, 1962, Regie: Jess Franco)
Fünf Frauen müssen sterben, um Dr. Orloff davon zu überzeugen, dass er so auch nicht das Gesicht seiner Frau erneuern kann. Alle Versuche scheitern, da die Hautzellen bereits abgestorben waren. Er muss also die zukünftigen Frauen bei lebendigem Leibe häuten. Während Handlanger Morpho eine weitere Dame heranschafft, ermittelt bereits Inspektor Tanner.
SCHREI DURCH DIE NACHT ist nicht nur Jess Francos erster Horrorfilm, sondern er gilt auch als erster Horrorfilm Spaniens. Dabei handelt es sich um ein kaum zu übersehendes Remake von Georges Franjus AUGEN OHNE GESICHT (1960) nach der Novelle von Jean Redon. Zwar erreicht Franco nicht dessen Tiefe, erschafft aber dennoch einen handwerklich starken Film, der nur wenig bietet, was Franco-Kritiker dem Spanier oft vorwerfen.
In dichten, oft von Regen durchzogenen Schwarzweiß-Bildern wird eine schaurige Atmosphäre erzeugt. Der Film ist schön ausgeleuchtet und weiß durchaus, mit Schatten zu spielen und seine Sets bestens zu nutzen. Enge Gasse, Nachtleben und ein Schloss auf den Klippen sorgen für Grusel, dazu gesellt sich ein experimenteller Soundtrack.
Franco-Freunde dürfen sich auf Howard Vernon als Dr. Orloff freuen. Vernon tauchte danach noch in gefühlt jedem zweiten Film von Franco auf und ist stets eine Bereicherung. Auch der Charakter des Dr. Orloff soll hier nicht ein letztes Mal auftauchen, ebensowenig wie Inspektor Tanner, der hier von Conrado San Martin verkörpert wird.
Schaurig wird es mit Ricardo Valle als vernarbter und mit basedowschen Augen ausgestatteter Morpho. Er sieht ein bisschen wie ein zu Fleisch gewordener Musikant der Dr. Phibes Blechband aus.
Nachtclubs, Dr. Orloff, Inspektor Tanner, Howard Vernon, schräge Klänge… Jess Franco serviert bereits in SCHREI DURCH DIE NACHT einige Elemente, die er danach immer wieder aufgreift.
Ein schauriger Horrorfilm, in dem sich Franco noch in einem etwas anderen Licht zeigt.
(Bjoern Candidus)
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