CALTIKI – RÄTSEL DES GRAUENS
(CALTIKI – IL MOSTRO IMMORTALE, Italien, USA, 1959, Regie: Riccardo Freda, Mario Bava)
Im Dschungel von Mexiko stößt ein Team aus Archäologen auf die Ruinen einer alten Maya-Stadt. Sie wollen herausfinden, auf welche Art und Weise die Bewohner der Stadt verschwunden sind. Die Antwort lautet: Caltiki, ein unsterbliches Monster, was sich von menschlichen Zellen ernährt.
Wabbelige Einzeller und andere kriechende, klobige Monster, die großen Appetit auf Menschen haben, waren in den 1950er-Jahren ein beliebtes Thema im Kino. Die Briten lieferten solch ein Wesen in XX… UNBEKANNT (1957), die Amis landeten mit BLOB – SCHRECKEN OHNE NAMEN (1958) einen Hit und die Japaner der TōHō-Studios lieferten DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH TOKIO (1958). Mit CALTIKI reagierten die Italiener auf das Thema, genauer: Mario Bava, Riccardo Freda und Filippo Sanjust.
Bei DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957) arbeiteten Freda und Bava gemeinsam an einem Projekt, was Freda vorzeitig verließ und Bava zu Ende führte. Hier war es ähnlich. Auf die Qualität hatte das erneut keine Auswirkungen. CALTIKI ist der von den bereits erwähnten, ähnlich gelagerten Filmen visuell der Schönste. Besonders die ersten 5 Minuten, wenn die Ruinen der Maya-Tempel in Mexiko zu sehen sind, gehören zu den Highlights des Films. Die Studiobauten und Miniaturmodelle sind zauberhaft und höchst stimmungsvoll in Szene gesetzt. Rauch steigt aus einem Vulkan, sonderbare Felsformationen ragen zum Himmel hoch und ein Abenteurer ist auf der Flucht vor etwas Schrecklichem. Anfänglich kommt mehr Abenteuerkino durch, was man aus Filmen wie KING KONG (1933) oder DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS (1954) kennt. Doch leider hält man sich nur in den ersten 10 Minuten in diesem Setting auf und bewegt sich dann vor allem in etwas sperrigen Räumlichkeiten. Doch im Gegensatz zu vielen US Monsterfilmen jener Tage, die manchmal etwas steif und langweilig fotografiert wurden, profitiert CALTIKI von einer wunderbaren Kameraarbeit, die aus Bavas eigener Hand stammt. Das Schwarzweiß baut eine dichte Atmosphäre auf, die vor allem den Horrorfilm-Charakter unterstreicht. Auffällig hart sind die wenigen Horror-Effekte. Wenn der Einzeller Menschen oder Teile von ihnen umschlungen hat, werden diese bis auf den Knochen weggefressen, was für ein paar heftige Ansichten sorgt. Auch der gefräßige Einzeller, der durch radioaktive Strahlen wächst, kann sich sehen lassen. Er sieht mehr nach einem ledrigen Tumor als nach einem schleimigen Blob aus, was ihn definitiv monströser erscheinen lässt. Zudem gelingt es hier eine viel mysteriösere Hintergrundgeschichte zu erzählen, die die mögliche Herkunft des Wesens erklärt. Hier sind durchaus immer wieder Anleihen an das Werk von H. P. Lovecraft zu finden, was wohl vor allem Bava zu verdanken ist.
Aber CALTIKI hat auch Probleme. Obwohl der Film mit 76 Minuten erstaunlich kurz geraten ist, macht sich nach dem spannenden Anfang etwas viel Geschwätzigkeit breit, während der Monster-Horror reduziert wird. Das Hauptproblem dabei sind aber vor allem die Figuren, zu denen ich überhaupt keine Bindung aufbauen konnte. Nicht, dass John Merivale, Didi Perego, Gérard Herter oder Daniela Rocca schlechte Schauspieler wären, aber von ihnen ist kein Funke übergesprungen. Das ist aber im Monsterkino nichts Ungewöhnliches, denn schließlich ist das Monster der Star dieser Filme. Und wenn der Einzeller dieses Films größer wird und sich schließlich teilt, bekommt der Freund des Monsterkinos ein kurzes, aber knackiges Ende serviert, was, wie am Anfang, die phantastische Magie der Miniaturmodelle demonstriert.
CALTIKI – RÄTSEL DES GRAUENS mag im Werke Mario Bavas (und Riccardo Fredas) nicht das größte sein, aber es hat eine sehr dichte Atmosphäre, tolle Sets und ein bizarres Monster zu bieten.
(Bjoern Candidus)
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