TREIBJAGD*
(LA TRAQUE, Frankreich, Italien, 1975, Regie: Serge Leroy)
Die Engländerin Hellen Wells möchte sich entspannen und ein Ferienhaus mitten in der Pampa in Frankreich mieten. Bei ihrer Ankunft lernt sie Philippe kennen, der sie zu ihrer Unterkunft fährt. Dabei lernt sie auch die beiden Brüder Danville kennen, die ein ganz besonderes Auge auf Hellen geworfen haben. Sie laden sie zu einer Wildschweinjagd am anderen Tag ein, die Hellen ablehnt. Als sich am anderen Tag die Männer des Dorfes zur Jagd versammeln und sich in kleine Grüppchen spalten, kommt es zu einer Vergewaltigung Hellens, durch die beiden Danville-Brüder. Als einer der Brüder zurück zum Tatort will, weil er sein Gewehr vergessen hat, schießt Hellen auf ihn. Als die Männer auf ihren verwundeten Kollegen stoßen, wird ihnen klar, dass es nur einen Ausweg gibt: Hellen muss zum Schweigen gebracht werden, denn der Ruf und die Stellung aller sind in Gefahr. Das Dorf-System der Herrenrasse darf nicht ins Wanken geraten.
Regisseur Serge Leroy hat hier ein hartes und höchst realistischen Rape-and-Revenge-Drama abgeliefert, das mich vom Anfang bis zum Ende komplett gefesselt hat. Knapp 100 Minuten totale Anspannung. Der Film zieht seine Kraft aus den widerlichen Männern, die alles tun, um ihre Positionen zu erhalten. Dabei wird schnell klar, dass sie sich eigentlich alle hassen, aber nur zusammen eine Chance haben. Der Kosmos des Dorfes, was man selbst gar nicht sieht, wird hier mit Bravour charakterisiert. Ein weiterer Faktor, der dem Film die nötige Würze gibt, ist die wunderbare Fotografie von Claude Renoir, der den Herbst so schön eingefangen hat, wie ich ihn lange nicht mehr in einem Film gesehen habe. Der Wald als Gefängnis.
Aber nicht nur die Form und der Inhalt glänzt, sondern auch die Schauspieler. Die schöne Mimsy Farmer (VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT, 1973) überzeugt als Gejagte, die kaum Text benötigt, stattdessen ihre Blicke spielen lässt. Sie ist tapfer, nicht hysterisch. Ihr gegenüber steht eine ganze Wagenladung an ekligen Männern, die denken, das Maß aller Dinge zu sein, z. B. Jean-Luc Bideau (NUIT D’OR – DIE NACHT AUS GOLD, 1977) und Michael Lonsdale (JAMES BOND – MOONRAKER, 1979).
TREIBJAGD ist alles andere als ein Gute-Laune-Film. Er legt permanent die Hände um den Hals des Zuschauers und drückt immer ein Stückchen fester zu. Faszinierend und wuchtig.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“
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