DIE NACHT DES EXORZISTEN
(EXORCISMO, Spanien, 1975, Juan Bosch)
Zurück von einer satanischen Messe, die mit Sex und Drogen in Schwung gebracht wurde, fährt scheinbar der Teufel selbst in die blonde Leila, die daraufhin das Leben ihrer Umwelt erschwert. Hilfe kommt alsbald von Priester Adrian Dunning.
Nach dem weltweiten Erfolg von DER EXORZIST (1973), wollte jedes Land sein eigenes vom Teufel besessenes Menschenkind. Die Deutschen kamen mit dem unterhaltsamem MAGDALENA – VOM TEUFEL BESESSEN (1974) um die Ecke, die Türken mit SEYTAN (1974), die Italiener bekamen mal wieder den Hals nicht voll und sendeten gleich mehrere Teufelsblitze, z.B. DER ANTICHRIST (1974) oder WER BIST DU? (1974) Und als hätte Amando De Ossorios Teufels-Spaß DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE (1975) nicht schon gereicht, kommt im gleichen Jahr auch diese spanische Produktion: DIE NACHT DES EXORZISTEN
Und in dieser Nacht lässt unser aller Lieblingswerwolf seinen Pelz am Haken, um als Priester einer jungen Frau zu helfen, in der der Beelzebub gefahren ist. Das klingt nach großer Unterhaltung mit kleinen Mitteln. Kleine Mittel kann ich bestätigen, große Unterhaltung leider nicht. Von einem Totalausfall soll hier aber auch nicht die Rede sein. Regie führte Juan Bosch, der zumindest ein Händchen für Sets hatte, um eine relativ dichte Atmosphäre zu erzeugen. Die Studioaufnahmen entstanden in Spanien, die Außenaufnahmen in England, und in diesem Bereich kann Bosch Punkte sammeln. Auch die Eröffnungs-Szene mit Teufelshippies ist durchaus stimmig inszeniert. Der Score und die Soundeffekte sind ebenfalls in Ordnung. Doch es sind immer nur kurze Momente, die diesen Film nicht ganz ertrinken lassen. Statt auf Spannung, Horror oder Obszönitäten zu setzen (ist trotzdem alles dabei), legt man mehr Wert auf Geschwätzigkeit. Ausschweifende, nach Drogen und Sex geifernde junge Leute, die den Teufel anbeteten statt den Mann mit Rauschebart, stehen hier zur Debatte, die Fragen der Moral aufwerfen. Das wäre alles okay, wäre es seriöser ausgearbeitet worden. Unter dem Strich ist dies aber nur eine sauerstoffarme Abarbeitung zeittypischer Themen. Naschy steht die Rolle des Priesters gar nicht schlecht, der Rest der Besetzung befindet sich jenseits von Gut und Böse. Neben Naschy liegt die Aufmerksamkeit aber vor allem auf Mercedes Molina (geb. Grace Mills) als besessene Leila. An für sich ist ihr Schauspiel annehmbar, aber ich habe hier eindeutig mehr Aktion erwartet. Immerhin fährt sie gegen Ende noch eine eklige Horrorfratze mit gebatikten Kontaktlinsen auf. Nett, aber zu kurz. Was fehlt also noch? Genau, eine Familie in Sorge über ihren rattigen Nachwuchs, eine Leiche mit verdrehtem Kopf und ein Kommissar. An alles wurde gedacht und dennoch schafft es Juan Bosch diese Zutaten nur halbgar zu servieren.
Nacktes Fleisch, okkulte Reliquien
sexgeile Teufelshippies und nur wenig Horror, aber viel Sauerstoffarmut bietet DIE NACHT DES EXORZISTEN. Im Grunde nur für Naschy-Fans interessant.
(Bjoern Candidus)
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