DER SCHNORCHEL
(THE SNORKEL, GB, 1958, Regie: Guy Green)
Paul Decker hat seine wohlhabende Frau ermordet. Sein Gas-Mord wurde clever durchdacht, der Plan geht auf. Erst mal. Doch er hat die Rechnung ohne seine Stieftochter Candy gemacht, die sich als Hobby-Detektivin versucht.
Bevor die Hammer-Studios Ende der 50er-Jahre immer mehr zum Synonym für Horror wurden, waren es vor allem Krimis, die man dem Publikum servierte.
Der unter der Regie von Guy Green gedrehte DER SCHNORCHEL entstand zwischen FRANKENSTEINS FLUCH (1957) und DRACULA (1958) und wurde im Gegensatz zu den beiden Horrorfilmen noch in Schwarzweiß gedreht. Stilistisch hat mich der Film etwas an die Thriller EIN TOTER SPIELT KLAVIER (1961) und HAUS DES GRAUENS (1963) erinnert, wobei sich dieser Film hier vielmehr als Krimi versteht. Auch wenn sich die Frage nach dem Täter und dem Motiv erst gar nicht stellt, ist DER SCHNORCHEL recht spannend. Das liegt mitunter auch an der hervorragenden Fotografie von Jack Asher, der schon in der Pre-Titel-Sequenz, in dem der Gas-Mord von Paul an seiner Ehefrau minutiös vorbereitet wird, sein Können unter Beweis stellt, wenn es unter die Dielenböden der Villa an der italienischen Küste geht. Es ist schon recht garstig, wenn Paul mit seiner Tauchermaske und dem Schnorcheln, durch den er Luft bekommt, den langsamen Erstickungstod seiner Frau beobachtet.
Nach dieser finsteren Eröffnungszene kommt etwas Auflockerung ins Spiel, denn im Fokus der Ermittlung steht nicht die Polizei, sondern die fünfzehnjährige Candy, die im Gegensatz zur Polizei nicht von einem Selbstmord ausgeht. Und so begleitet man Candy durch den Film, die versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen und plötzlich selbst in Gefahr gerät, denn Paul hat die Cleverness seiner Stieftochter unterschätzt und will sie aus dem Weg räumen.
Besetzt wurde der Film mit Peter van Eyck (LOHN DER ANGST, 1953) als Paul Decker, der seine Rolle gut meistert, in der er ständig zwischen seinem wahren Charakter und dem Trugbild, was er aufbaut, wechseln muss. Sein Problem, Candy, wird von Mandy Miller (COMPACT, 1962-1965) verkörpert, die für eine Fünfzehnjährige gute Arbeit abgeliefert hat.
Dass sich der Film durchaus etwas nach Hitchcock anfühlt, dürfte vor allem dem geistigen Vater der Story zu verdanken sein. Anthony Dawson (bitte nicht mit Antonio Margheritis Pseudonym Anthony M. Dawson verwechseln), der in BEI ANRUF MORD (1954) für Alfred Hitchcock vor der Kamera stehen durfte, lieferte die Vorlage.
DER SCHNORCHEL ist ein dicht inszenierter Krimi, mit einer guten Besetzung und einem sommerlichen Schauplatz am Meer, der zwar keine Überraschungen auf Lager hat, aber trotzdem spannend und nie langweilig ist.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar