DIE STUNDE, DIE WAFFE, DAS MOTIV
(L‘ARMA, L‘ORA, IL MOVENTE, Italien, 1972, Regie: Francesco Mazzei)
Don Giorgio, ein junger Priester, hält nicht viel vom Zölibat und treibt es mit der ein oder anderen Dorfschönheit. Als er eines Tages ermordet in der Kirche aufgefunden wird, schaltet sich Kommissar Boito und sein Kollege Moriconi ein, die den Fall hinter den Klostermauern lösen wollen. Was weder der Täter noch der Kommissar weiß: es gibt einen Augenzeugen von dem Mord, der aber aus Angst schweigt. Als schließlich eine der Damen getötet wird, mit denen sich Don Giorgio amüsiert hat, spitzt sich die Situation zu.
Priester tauchen im Giallo-Kino immer wieder auf. Im Jahre 1972 gleich drei Mal. Lucio Fulci liefert einen in DON’T TORTURE A DUCKLING (1972), Aldo Lado folgt mit THE CHILD – DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM (1972) und hier ist es Francesco Mazzei. Später reicht noch Antonio Bido einen in BLUTIGER SCHATTEN (1978) ein. In DIE STUNDE, DIE WAFFE, DAS MOTIV ist der Priester, der von Maurizio Bonuglia (DER SCHWARZE TAG DES WIDDERS, 1971) dargestellt wird, schnell Weg von der Bildfläche. Francesco Mazzei (CONVOY DER FRAUEN, 1974) fokussiert sich auf den Augenzeugen, den kleinen Ferruccio (Arturo Trina), der der spirituelle Freund des Jungen aus Argentos AURA (1993) sein könnte, auf die beiden Ermittler Boito (Renzo Montagnani) und Moriconi (Salvatore Puntillo) und auf Guilia (Eva Czemerys), die ebenfalls Sex mit dem Priester hatte und als nächstes Kommissar Boito in Liebes-Visier nimmt. Darstellerisch ist hier alles in bester Ordnung. Viele Nebenfiguren tauchen auf, die Leben in das Geschehen bringen, z.B. eine Horde Nonnen, die sich einer Selbstkasteiung mittels Peitsche, die sie sich auf den Rücken knallen, hingeben. Das gleiche Schauspiel darf man im übrigen auch von Don Giorgio genießen, bevor er umgebracht wird.
Wer der Täter ist, bleibt lange Zeit im Verborgenen, kann aber vom Zuschauer durchaus entlarvt werden. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, denn die Inszenierung ist spannend und sehr atmosphärisch, allerdings mehr auf realistischer Ebene. Der Film hat sehr natürliche Bilder mit sommerlichem Anstrich, erdigen Farben und dem belebtem Grün der Bäume. Gedreht wurde in und um Rom. Urlaubsstimmung sei hier gewiss, auch wenn sie sich vor allem hinter Klostermauern abspielt. Aber auch das kommt der Inszenierung zu Gute, denn das alte Gemäuer mit vielen Ecken und Winkeln, Gängen und Treppen sorgt für eine tolle Stimmung, die man so selten im Giallo-Kino findet.
Neben der durchaus ansehnlichen Kameraarbeit von Giovanni Ciarlo, kann auch Francesco De Masi mit seinem Score überzeugen.
DIE STUNDE, DIE WAFFE, DAS MOTIV ist ein gut erzählter, ordentlich besetzter Giallo, der keine ausufernden Morde und stylische Überzeichnungen benötigt, um Eindruck zu hinterlassen.
(Bjoern Candidus)
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