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Riot in a Women’s Prison, 1974 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

FRAUEN IM ZUCHTHAUS 
(PRIGIONE DI DONNE, Italien, 1974, Regie: Brunello Rondi) 

Martine, eine Archäologiestudentin aus Frankreich, wird während ihres Urlaubs in Norditalien verhaftet. Während einer Razzia unter Hippies steckt ihr jemand ein Briefchen mit Heroin zu. Da die Polizei und der Untersuchungsrichter davon ausgehen, dass das Heroin ihr gehört, wird sie verurteilt und kommt unschuldig hinter Gitter. Der Alltag in dem Frauengefängnis ist schwer und lastet auf Martine, doch sie wird schnell von ihren Zellengenossinen aufgenommen, die gerne die Gesetze der Wärterinnen und Nonnen brechen. Dann planen sie eine Meuterei. 

Trotz seiner prekären Ausgangssituation und dem niederschmetternden Justizapparat, der es auf einfache Art zulässt, dass unschuldige Menschen von Gerichten verurteilt werden, entwickelt sich Brunello Rondis Frauengefängnis-Film zu einem eher leichtfüßigen Exploitation-Drama mit ein bisschen Sex, Gewalt, schönen und weniger schönen Frauen. Martine Brochard (LABYRINTH DES SCHRECKENS, 1975) ist als unschuldige Martine dabei. Sie wirkt etwas sonderbar, leicht abwesend, aber das erkläre ich mir mit der Situation ihrer Rolle. Mehr Power kommt von ihren Zellenfreundinnen. Besonders Marilù Tolo (DIE HALUNKEN, 1973) als Susan bringt hier ziemlich Feuer rein. Für die widerliche Mutter Oberin konnte man Maria Cumani Quasimodo (NOSFERATU IN VENEDIG, 1988) gewinnen. 

Neben der ein oder anderen Bestrafung und den unangenehmen Einblicken in ein italienisches Frauengefängnis in den 1970er-Jahren unter der Leitung von Nonnen, liegt Rondis Fokus auf den Damen und ihren Gefühlen. Obwohl reichlich zuschauerwirksame Momente vorhanden sind, wie die grausame Tötung eines Hundes (Keine Angst, kein Tiersnuff), hält Rondi dennoch genug Kritik parat. Schon das Verhör von Martine durch ihren vom Staat gestellten Anwalt vor dem Untersuchungsrichter, bei der ihr nahegelegt wird, ihre Schuld zu gestehen und den Namen des Heroin-Dealers zu nennen, den sie gar nicht kennen kann, ist zutiefst unangenehm, ähnlich wie die besonders schlechte Behandlung politisch aktiver Gefangener. Hier ist man als Mensch nichts wert, gibt Susan Martine gleich mit auf den Weg. 

FRAUEN IM ZUCHTHAUS ist rein visuell nur wenig einladend, was vor allem am Schauplatz liegt, denn ein Gefängnis ist nunmal nicht schön. Eine beklemmende Atmosphäre wird so schon von alleine aufgebaut, doch die kann Rondi mit der Energie der Darstellerinnen immer wieder abwehren, so dass der Film nie in Schwermut und Verzweiflung ertrinkt. 

FRAUEN IM ZUCHTHAUS ist ein reich gefüllter und kurzweiliger WIP-Film mit einer starken Besetzung. 

(Bjoern Candidus)

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