DIE SAAT DER ANGST
(UNA VELA PARA EL DIABOLO, Spanien, 1973, Regie: Eugenio Martin)
Die beiden Schwestern Marta und Veronica, die in einem spanischen Bergdorf ein Hotel führen, fühlen sich dazu berufen leichtbekleidete, triebgesteuerte und unmoralische Frauen im Namen des Herrn zu bestrafen bzw. ihnen das Licht auszublasen. Ihre Mordserie, die mit einem Unfall begann, den Marta als Zeichen Gottes deutete, wird zur Lebensaufgabe und kompromisslos ausgearbeitet. Dann taucht plötzlich Laura auf, die sich mit ihre Schwester in dem Hotel treffen will. Als diese von den beiden Schwestern erfährt, dass sie bereits abgereist sei, stellt sie Nachforschungen an.
Erzkatholische Einstellungen und Franco Regime (1938-1975, ab 1978 ein demokratischer Rechtsstaat) vs. Freizügigkeit in Spanien der 1970er-Jahre. Regisseur Eugenio Martin (HORROR EXPRESS, 1972) kredenzt hier einen kräftigen, gut besetzten Thriller und ein passendes Zeitdokument in einem. Wer Dunkelheit, wehende Vorhänge, Gewitter und Friedhofstimmung erwartet, der wird enttäuscht, denn der Schrecken wird von Sonnenstrahlen und Urlaubsstimmung getarnt, was stark an Narciso Ibáñez Serradors EIN KIND ZU TÖTEN (1976) erinnert. Aber auch CANNIBAL MAN (1972) von Eloy de la Iglesia, in dem es ebenfalls um Morde und Zerstückelungen geht. Im Gegensatz zum Kino von Paul Naschy und Amando de Ossorio, welches zur gleichen Zeit aktiv war, bieten die Herren Martin, Serrador und de la Iglesia mehr Realismus, gesellschaftskritische Töne und einen direkteren Umgang mit Gewalt. Und so tauchten neben Werwölfen, Vampiren und reitenden Leichen auch Psychopathen, religiös verblendete Frauen und mörderische Kinder auf der Leinwand auf.
Das Unverständnis und die Abneigung der alten Generation gegenüber der jüngeren ist nichts Neues und erlebt jede Generation aufs Neue. Die sexuelle Freizügigkeit der 70er-Jahre war da natürlich ein gewaltiger Dorn im Auge der Konservativen und Rechten. Der Brite Pete Walker bringt das Thema in HAUS DER PEITSCHEN (1974) hervorragend auf den Punkt. Ganz so alt wie die Herrschaften dort, sind die beiden Damen hier allerdings nicht. Marta wird sehr gut von Aurora Bautista (DER SATAN OHNE GESICHT, 1969) dargestellt, Esperanza Roy, die ihre jüngere Schwester Veronica spielt, hinterlässt einen besseren Eindruck als in DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (1973). Das Gespann funktioniert und sorgt auch untereinander für Spannungen. In Sachen Gewalt nimmt sich Martin nicht zurück. Er ufert nicht aus, aber es gibt ein paar blutige Axthiebe und einen zerstückelten Leichnam in einem Fass, dessen einer Augapfel auf dem Teller einer Frau landet.
Man kann über den sehr konstruierten Auslöser für das mörderische Handeln der beiden Damen streiten, was sie untereinander sogar selber tun. Er dient als Mittel zum Zweck, um das einerseits horroraffine Publikum zu befriedigen und andererseits eine Kritik loszuwerden.
Mit DIE SAAT DER ANGST hat Eugenio Martin ein garstigen, gut besetzten und kurzweiligen Horror-Thriller geschaffen, der zeigt, wie facettenreichen das spanische Genre-Kino jener Tag war.
(Bjoern Candidus)
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