CASTLE FREAK
(USA, 1995, Regie: Stuart Gordon)
Nach einem Autounfall, den John Reilly zu verantworten hat, stirbt sein Sohn, während die Tochter erblindet. Doch nach dem Unglück, was eine Familienkrise mit sich führt, zeichnet sich Licht am Horizont ab, denn die Reillys erben eine alte Burg in Italien. Sie sehen eine Chance für einen Neuanfang und treten das Erbe an. Doch das alte Gemäuer beherbergt ein Geheimnis: in den Kellergewölben haust ein Wesen, was Hunger auf Menschenfleisch hat.
Fast 30 Jahre hat CASTLE FREAK nun schon auf dem Buckel, und ich erinnere mich noch sehr gut an meiner Erstsichtung Mitte der 90er-Jahre. Damals bekam ich zwar nur eine gekürzte FSK-ab-18-VHS in die Hände, aber das hat mir den Spaß nicht verdorben. Später kam ich dann in den Genuss der ungekürzten Fassung, und gerade auf dem Gore-Sektor gehörte Stuart Gordons Film damals zu einem der härteren Vertreter. Hier wird einiges weggebissen, und das Blut fließt ordentlich. Zudem ist das Make-up des Castle Freaks sehr gelungen und furchteinflößend. Aber CASTLE FREAK ist kein Horrorfilm, der sich auf Blut und Gewalt ausruht. Gordon hat nebenbei auch ein Familien-Drama geschaffen, was sich ziemlich ernst nimmt und die Inszenierung wegrückt vom üblichen DTV-Horror-Einheitsbrei jener Tage. In CASTLE FREAK treffen Schauwerte auf eine Story. Die Ehekrise, die durch den Verlust des Sohnes der Familie Reilly und Vater Johns Alkoholsucht erzählt wird, drückt die Stimmung etwas runter. Verschlimmert wird die Situation dadurch, dass die Tochter das Augenlicht bei dem Unfall verloren hat, den der Vater aufgrund seiner Alkoholsucht zu verantworten hat. Da erscheint das Monster im Keller fast nebensächlich, doch der Castle Freak bringt sich zusehends mehr mit ein. Einbringen tun sich auch die Hauptdarsteller. Der wunderbare und aus Gordons Kino kaum wegzudenkende Jeffrey Combs zeigt sich als John Reilly von einer sehr ernsthaften Seite, die ja auch ihr Bündel zu tragen hat. Susan Reilly wird von Barbara Crampton dargestellt, die ebenfalls zum Gordon-Clan gehört und gut ins Geschehen passt.
Ein weiterer Schauwert ist das Setting, eine große Burg in Italien, die der Familie Band gehört. Da kommt der Gothic-Horror fast automatisch auf, und wenn Dunkelheit und Unwetter vorherrschen, wird das Herz im Sturm erobert. Untermalt wird das Schauerstück von Richard Band. Die Verbindung zu den Bands liegt auf der Hand: bei CASTLE FREAK handelt es sich um eine Full Moon Produktion, was man gar nicht meinen möchte, denn ästhetisch bewegt man sich in anderen Sphären. Aber Stuart Gordon ist auch ein versierter Regisseur, der aus einem übersichtlichen Budget viel herausholen kann.
Gordons liebe zu H. P. Lovecraft darf auch hier wieder ausgelebt werden. CASTLE FREAK basiert auf Lovecrafts sehr kurze Kurzgeschichte „The Outsider“, die man hier durchaus erkennt, aber natürlich durch die Handlung um die Familie Reilly ergänzt wurde.
Trotz kleinerer Schwächen in der Geschichte und ein paar zähen Momenten ist CASTLE FREAK ein sehr atmosphärischer, derber und gut besetzter Horrorfilm, der aus dem Gros der 90er-DTV-Produktionen heraussticht.
(Bjoern Candidus)
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