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Thriller: A Cruel Picture, 1973 – ★★★★½

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

THRILLER – A CRUEL PICTURE
(THRILLER – EN GRYM FILM, Schweden, 1973, Regie: Bo Arne Vibenius) 

Als hätte es nicht schon gereicht, dass Frigga in ihrer Kindheit vergewaltigt wurde und seit dieser Zeit stumm ist, wird sie jetzt auch noch von einem Zuhälter verschleppt, heroinabhängig gemacht, damit sie für seine Freier gefügig gemacht werden kann. Anfänglich weigert sich Frigga, was sie mit dem Verlust ihres linken Auges bezahlt. Langsam resigniert sie und wird willig. Doch dann nimmt sie Rache an ihren Peinigern…

Willkommen in Schweden!
Willkommen in der Hölle! 

Von der ersten Minute an ist das nicht das Schweden, was einer Michel-aus-Lönneberga-geprägten Seele in den Sinn kommt. Zwar zeigt der Film auch sehr schöne Naturaufnahmen und fängt den Herbst zauberhaft ein, aber Vibenius Inszenierung dominiert durch das bedrückende und niederschmetternde Geschehen, in das man hier ohne Vorwarnung gestoßen wird (, wenn man sich die Inhaltsangabe gespart hat). Größtenteils hält man sich in kargen Räumen auf, die keine Wärme zulassen. Ist man vor der Tür, könnte man meinen, man befindet sich in der Endzeit. 
Regisseur Bo Arne Vibenius gönnt niemandem einen Hoffnungsschimmer, und an Entspannung ist in diesem Rache-Thriller-Drama nicht zu denken. 
Friggas Martyrium ist bedrückend inszeniert, dialogarm (sie ist und bleibt stumm) und realistisch, zumindest lange Zeit. Christina Lindberg ist wirklich umwerfend, sie schweigt und sagt doch so viel und wird gegen Ende mit Augenklappe, schwarzem Ledermantel und Schrotflinte zu Recht zu einer Ikone des „abseitigen Kinos“, die sich natürlich auch Dank Quentin Tarantinos KILL BILL VOL. 1/2 (2003/04) ins 21. Jahrhundert retten konnte. Richtig widerlich ist Tony, der Zuhälter, gespielt von Heinz Hopf, der es jedem leicht macht, ihn zu hassen. Gleiches gilt auch für die meisten anderen Herrschaften.  

Über all dem Schrecken liegt eine experimentelle, gespenstische Musik von Ralph Lundsten und eine Geräusch-Kulisse, die an TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) erinnert. Aber nicht nur Hooper blitzt auf, auch Romero ist zu spüren und natürlich das Grobe eines LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) von Wes Craven. Und dann ist da natürlich noch Sam Peckinpah. Nicht nur sein STRAW DOGS (1971) kommt einem unweigerlich in den Sinn, man bekommt es auch später mit Schießereien in Zeitlupe um die Augen geklatscht, dass Vibenius nicht abgeneigt war vom Kino Peckinpahs. Aber auch DEADLOCK (1970) von Roland Klick ist zu spüren, wenn der Film gegen Ende zu einer Art Western mutiert. Zudem wurde der Film verspielt fotografiert und nutzt effektive Kameraperspektiven, um in Schwung zu bleiben. Ein reicher, spannender und unangenehmer Film, der das nie abgenutzte Thema der Rache konsequent durchzieht.   

THRILLER – A CRUEL PICTURE fühlt sich an wie ein böser Traum, den niemand träumen möchte und doch eine unglaubliche Anziehungskraft besitzt. Faszinierend!  

(Bjoern Candidus)

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