F
(GB, 2010, Regie: Johannes Roberts)
Dass Schüler ihren Lehrern gegenüber handgreiflich werden, ist längst nichts Neues mehr. Hatte man früher Angst vor dem Lehrer, hat der Lehrer heute Angst vor den Schülern (, was ich natürlich nicht verallgemeinern will). Regisseur Johannes Roberts nimmt sich diesem Problem anfänglich an. Ein Schüler schlägt einen Lehrer, weil er ihn mit der Note F bewertet hat und muss sich nun dafür rechtfertigen. Statt den Schüler der Schule zu verweisen, wird der Lehrer beurlaubt. Das lässt ihn zum Alkohol greifen und zerstört die Beziehung zu seiner Frau und Tochter. Seine Tochter steht zwischen den Stühlen, da er sie auch noch unterrichtet. Als er seinen Job wieder aufnimmt und wegen eines Zwischenfalls seine Tochter abends in der Schule nachsitzen lässt, kommt es zu einem Überfall von vermummten Jugendlichen, die die Inszenierung von einem Lehrer-Drama zu einem School Invasion Thriller werden lässt.
Angeführt durch Filme wie THEM (2006), INSIDE (2007) oder THE STRANGERS (2008) waren Home Invasion Filme wieder angesagt, als der Brite Johannes Roberts mit F um die Ecke bog. Und so wirklich innovativ ist sein Film nicht, sieht man von dem anfänglichen Lehrer- / Schüler – Drama ab, was als eigenständiger Film vielleicht noch besser funktioniert hätte. Aber auch als Thriller ist F durchaus schaubar. Schulen als Ort des Schreckens sind immer nett, und hier musste ich direkt an den dänischen Slasher FINAL HOUR (1995) denken. Die leeren Flure sind gut fotografiert und das spärliche Licht erzeugt eine ordentliche Atmosphäre. Große Gebäude bei Nacht entwickeln automatisch etwas Beklemmendes, fast Gespenstisches, was hier gut eingefangen wurde. Die Inszenierung ist zudem recht ruhig und hebt so die Spannung. Jede Minute wird sinnvoll genutzt, und bei einer Spielzeit von knapp 80 Minuten kommt es nie zu Langeweile, und das ohne spektakuläre Action oder überzogene Charaktere, die Mist von sich geben. Aber man ist ja auch im britischen Kino, was gerne etwas bodenständigere Töne anschlägt.
David Schofield (AMERICAN WEREWOLF, 1981) als Lehrer Robert Anderson ist eine richtig gute Wahl; das Leid steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Die Angreifer, schweigende Jugendliche mit Hoodies, deren Gesichter unter der Kapuze komplett verschwinden, haben offensichtlich nur einen Punkt auf ihrer Agenda: Töten! Das tun sie auch, denn schließlich sind an diesem Abend noch ein paar Leute im Schulgebäude. Die Morde passieren zwar größtenteils im Off, doch die Resultate sind recht garstig in Szene gesetzt. Der Terror funktioniert soweit ganz gut.
F startet als Sozialdrama in einem ungerechten System und schlägt dann einen konventionellen Home Invasion – Weg ein, der aber zumindest solide und spannend bis zum Schluss inszeniert wurde.
(Bjoern Candidus)
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