UNGEHEUER OHNE GESICHT
(FIEND WITHOUT A FACE, GB, 1958, Regie: Arthur Crabtree)
In der Umgebung einer Militärbasis der US Air Force nahe der kanadischen Grenze werden mehrere Leichen entdeckt, denen die Gehirne ausgesaugt wurden. Man steht vor einem Rätsel. Major Cummings wird beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Der verfolgt eine Spur, die zu einem Professor führt, der an einer Methode arbeitet, telekinetische Kräfte zu erzeugen. Derweil gehen die Morde weiter, die scheinbar durch unsichtbare Wesen ausgeführt werden.
Arthur Crabtree (DAS SCHWARZE MUSEUM, 1959) hat hier einen Monsterfilm geschaffen, der mit seiner reichlich absurden Story um durch Telepathie und Atomkraft erzeugte Gehirnvampire gut zu unterhalten weiß. Zwar sind die Darsteller, allen voran Marshall Thompson als Major Cummings, etwas steif und wenig charismatisch, aber das schadet der Inszenierung nur am Rande und ist im 50er-Jahre-Monsterkino nicht selten. Der Fokus soll schließlich auf dem Monster liegen, und da bildet UNGEHEUER OHNE GESICHT keine Ausnahme. Das Spannende hierbei ist, dass die Monster, bzw. die Gehirnvampire lange Zeit unsichtbar sind und man lediglich wild um sich schlagende Darsteller sieht, wenn diese attackiert werden. Erst im letzten Drittel darf die Gefahr ihr Antlitz zeigen, und die besteht aus einem Gehirn mit Fühlern, Tentakel und einem Schwanz. Lovecraftsche Erinnerungen werden wach, gleichzeitig blitzen die Facehugger aus ALIEN (1979) und Elmer aus BRAIN DAMAGE (1988) auf. Auch die im gleichen Jahr entstandene Produktion DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE kam mir in den Sinn, die ebenfalls das Thema der Telepathie aufgreift. Und selbst ein moderneres Videospiel wie RESIDENT EVIL – REVELATIONS 2 liefert ähnliche, teilweise nicht sichtbare Monster.
Die Inszenierung ist sehr kompakt und dicht. Manchmal gelingt Arthur Crabtree ein richtig gruselige Atmosphäre zu erzeugen, wenn es z.B. vom Militärstützpunkt in den Wald oder in eine Gruft geht. Das Highlight ist aber ganz klar der große Angriff der Gehirnvampire in einer klassischen Belagerungsszene. Die Stop-Motion-Bewegungen, die den Gehirnvampiren Leben einhauchen, wurden teilweise in München von Florenz von Nordhoff und Karl-Ludwig Ruppel inszeniert und können sich sehen lassen. Wenn sich die Menschen zu Wehr setzen, geht es sogar recht blutig zu, was so möglicherweise nur durch die Schwarzweißfotografie durchgegangen ist.
Sonderbare Monster, ein wahnsinniger Wissenschaftler, Atombomben, radioaktive Strahlung, möglicher Terror durch die Russen… UNGEHEUER OHNE GESICHT liefert das volle Themenspektrum des 50er-Jahre-Monsterkinos auf komprimierte, wirkungsvolle Art.
(Bjoern Candidus)
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