ORLAC‘S HÄNDE
(Österreich, 1924, Regie: Robert Wiene)
Nachdem der berühmte Pianist Orlac bei einem Zugunglück die Funktion seiner Hände verliert, transplantiert ihm Dr. Serral zwei neue. Doch die Hände stammen von einem Serienmörder, und sie haben keinen guten Einfluss auf Orlac, dessen Karriere als Pianist wohl endgültig vorbei zu sein scheint. Sein Leben gerät vollends aus der Bahn.
Regisseur Robert Wiene (DAS CABINET DES DOKTOR CALIGARI, 1920) hat hier Maurice Renard Roman „Les Mains D’Orlac“ (1920) verfilmt und dabei erneut den wunderbaren Conrad Veidt besetzt, der ein weiteres Mal eine großartige Leistung abgibt.
In diesem Stummfilm-Psycho-Horror-Scifi-Drama geht es ziemlich verstörend, alptraumartig und psychotisch zu, was der neu komponierte Soundtrack von Donald Sosin glänzend begleitet. Auch wenn die Streicher manchmal etwas an den Nerven zerren, passen sie doch zum Gesamtbild dieses finsteren Films, der sehr konfliktreich ist. Er spricht Themen wie Verlust von Körperteilen, Transplantation, Arbeitslosigkeit und einhergehende Geldnöte, Vater-Sohn-Konflikte und Erpressung an. Hier ist erstaunlich viel drin. Aber auch visuell wird einiges aufgefahren und die expressionistische Bildsprache wird versiert eingesetzt, auch wenn er längst nicht so verspielt ist wie DAS CABINET DES DOKTOR CALIGARI.
Nach einem relativ hektischen Anfang drosselt der Film seine Geschwindigkeit. Stellenweise ist er dann etwas lahm, zeigt sich aber stets ausdrucksstark. Hier kommt weder Lebensfreude, noch Luft zum atmen auf. Dafür gibt es Spannung getränkt in unheilschwangeren Bildern und ein gelungenen Ende mit Wende.
Mit ORLAC‘S HÄNDE ist Robert Wiene ein sehr dichtes, visionäres Schauerstück gelungen.
(Bjoern Candidus)
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