RITUALS*
(Kanada, 1977, Regie: Peter Carter)
Wie in jedem Jahr machen die fünf Ärzte Harry, Mitzi, Martin, Abel und D.J. Urlaub in der Abgeschiedenheit der Natur. Anfänglich läuft alles nach Plan, aber als sie morgens aus ihren Zelten kriechen, sind ihre Schuhe verschwunden. Was sie anfänglich noch für einen Scherz halten, wird bald bitterer Ernst, denn jemand fremdes provoziert einen Bienenangriff, der einen der Ärzte schwer verletzt.
Peter Carter hat mit RITUALS einen packenden Abenteuer-Backwood-Survival-Horror-Thriller abgeliefert, der in der Tradition von DELIVERANCE (1972) und TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) steht, ohne sie einfältig zu kopieren.
Bereits von Anfang an fühlte ich mich wohl bei den fünf Herren, die im Herbst ihres Lebens stehen und sich fernab vom Teenager-Sumpf jener Tage bewegen. Freundschaftliche und giftige Sprüche wechseln sich ab und schaffen ein authentisches Bild einer Männerfreundschaft. Mit Hal Holbrook, Lawrence Dane, Robin Gammell, Ken James und Gary Reineke wir hier ein tolles Ensemble geliefert, was zur Stärke der Inszenierung gehört. Bei jeder Sichtung fiebere mit ihnen mit, da die schwierige Situation, in der sich die Männer befinden, völlig nachvollziehbar ist. Auch wenn ein menschlicher Feind schnell für den Zuschauer auszumachen ist, ist Mutter Natur immer noch die größte Gefahr, die hier im Raume steht. Gedreht wurde in den Wäldern von Ontario, Kanada, die das Gefühl der völligen Abgeschiedenheit perfekt vermitteln. Ob DELIVERANCE, JUST BEFORE DAWN (1981), DON‘T GO IN THE WOODS (1981) oder alle anderen Backwoodfilme, sie haben eine Sache gemeinsam: ein wunderschönes Natur-Setting.
Aber RITUALS bietet auch Qualitäten, die ganz klar dem Regisseur und seinem Team zuzurechnen sind. Auch wenn die Natur so ist, wie sie ist, muss sie natürlich auch gut eingefangen werden, und da hat René Verzier (u.a. Kamera bei RABID, 1977) einen guten Job gemacht. Wenig ausdrucksstark ist hingegen der Score von Hagood Hardy, der dennoch nicht seine Wirkung verfehlt.
Ab dem Punkt, wo den Männern klar wird, dass sie in ernsthaften Schwierigkeiten stecken, verdichtet sich die Inszenierung von Minute zu Minute. Lange Zeit ist RITUALS eher dem Survival-Thriller-Kino zuzuordnen, bis er dann im letzten Drittel die Terror-Pfade eines Backwood-Horrorfilms a la TEXAS CHAINSAW MASSACRE betritt, ohne dadurch an Spannung einzubüßen. Letztlich hätte RITUALS einiges nicht nötig gehabt. Doch so, wie er ist, ist er nahezu perfekt.
RITUALS ist handfestes, sehr spannendes 70er-Jahre-Terror-Kino im Schosse von Mutter Natur mit einer tollen Besetzung, einer dichten Atmosphäre und einigen sehr harten Momenten. Ein weiteres gutes Beispiel für das kanadische Kino.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“
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