MESSIAS DES BÖSEN*
(MESSIAH OF EVIL, USA, 1973, Regie: Willard Huyck, Gloria Katz)
Arletty ist auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater. Dafür begibt sie sich in eine kleine kalifornische Küstenstadt, in der die Bewohner scheinbar unter einem mysteriösen Bann stehen.
Mit MESSIAS DES BÖSEN haben Willard Huyck (HOWARD THE DUCK, 1986) und Gloria Katz bewusst oder unbewusst eine Art Verbindungsglied zwischen dem italienischen Giallo und dem US-Horrorkino geschaffen. Man könnte sogar sagen, sie haben vorgegriffen, denn einige der Filme, die sich hier widerspiegeln sind 1973 noch gar nicht gedreht worden. Die großartigen Wandgemälde, die Menschen in sonderbaren Städten zeigen und die Ausleuchtung erinnert stark an SUSPIRIA (1977) und INFERNO (1980). Die Ausstattung (das Ateliers des Malers) könnte direkt aus einem Giallo stammen. Vor allem ist mir immer wieder Pupi Avatis HAUS DER LACHENDEN FENSTER (1976) und ZEDER (1983) in den Sinn gekommen. Dass ein Argento oder Avati diesen Film gesehen hat, halte ich für unwahrscheinlich, da der Film erst ein paar Jahre später europäischen Boden erreichen sollte. Das heißt natürlich nichts. Viel wahrscheinlicher halte ich es allerdings, dass Huyck und Katz das Kino von Mario Bava kannten und sich dort wohlmöglich inspirierten. Aber nicht nur das italienische Kino blickt hier durch, sondern auch das US-Kino. CARNIVAL OF SOULS (1962), DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968), und auch hier vorgreifend: DAWN OF THE DEAD (1978) und DEAD & BURIED (1981) zeichnen sich in MESSIAS DES BÖSEN ab. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Film bis heute immer noch unter dem Radar flimmert.
Die kleine Lowbudget-Produktion besticht durch eine sehr unheimliche und beklemmende Atmosphäre, die mit surrealen, fiebertraumartigen Sequenzen aufwartet. Die Bedrohung wird zusätzlich mit dem experimentellen Electronic Score von Phillan Bishop verstärkt. Die Handlung wird mit dem Off-Kommentar der Hauptfigur Arletty (Marianna Hill) ergänzt, die von ihrem Erlebten berichtet, was die unheimliche Atmosphäre noch verstärkt. Die Dunkelheit dominiert, da der Film nur in einer einzigen Nacht spielt und lediglich gegen Ende ein bisschen Tageslicht liefert. Und so legt man hier sehr viel Wert auf künstliches Licht, was die Inszenierung ungemein aufwertet. Große Actionszenen sollte man natürlich nicht erwarten, dafür gibt es ein paar blutige wirklich verstörende Momente.
MESSIAS DES BÖSEN ist ein stylischer, atmosphärischer und spannender Mystery-Zombie-Horrorfilm mit solider Besetzung, bei dem das Zusammenspiel zwischen Kunst- und Exploitation-Kino nahezu perfekt ist. Eine zu unrecht vergessene Perle.
(Bjoern Candidus)
* Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“
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