SUKKUBUS – DER TEUFEL IM LEIB
(Deutschland, 1989, Regie: Georg Tressler)
In den Schweizer Alpen sind zwei Hirten und ein Junge unterwegs, um die Rinder auf die Berge zu treiben, wo sie tagelanger Isolation und Kälte ausgesetzt sind. Wohin mit der Geilheit?, denkt sich einer der Männer, der besonders tölpelhafte. Aus einem Tuch, Stroh und einer Wurzel baut er sich eine Art Sexpuppe, mit der er sich befriedigt. Doch dieser Akt und der grundsätzliche Aberglaube, der immer wieder durch merkwürdige Weisheiten, Gepflogenheiten und Ritualen zum Vorschein kommt, erweckt er einen weiblichen Dämon, einen Sukkubus oder besser: das Sennentuntschi (Sagenmotiv im deutschsprachigen Raum).
Regisseur Georg Tressler (und Christopher Schlingensief als Regieassistent) schickt den Zuschauer von der ersten Minute an in eine Welt aus Bergen, Schnee und Wolken. Die Fotografie ist hervorragend, die Alpen greifbar und Ehrfurcht erweckend. Dass man hier von Beginn an eine Bedrohung spürt, liegt nicht nur an der eisigen Umgebung, sondern auch an dem unheimlichen Score von Rolf A. Wilhelm. Auch durch den spärlichen Einsatz von Dialogen erzeugt Tressler ein Gefühl von Einsamkeit und Bedrückung. Geräusche sind präsenter als Worte. Tressler nimmt sich viel Zeit, die Arbeit, das Regelwerk und das Leben der Hirten zu porträtieren, was interessant und abstoßen gleichermaßen ist. Es kommt sogar zu einem sexuellen Übergriff zwischen dem ältesten und dem jüngsten Hirten, und das nur, weil keine Frau zur Hand ist. Aber das soll sich ja ändern. Doch die schöne Frau, die vorher noch eine hässliche Wurzel war, meint es mitnichten gut. Wenn der Sukkubus erst mal erwacht ist, wird der pure Wahnsinn entfacht. Tressler schafft es mit wenigen Mitteln und gut agierenden Darstellern, einen unheimlichen Terror zu verbreiten, der durch den Schauplatz zusätzlich ausweglos erscheint. Es kommt sogar zu ein paar wenigen, aber effektiven Gore-Szenen, die ich so nicht erwartet habe.
Mit Peter Simonischek, Giovanni Früh, Andy Voss und Pamela Prati als Sukkubus hat man ein Glückliches Händchen bewiesen. Den Herren kauft man die hinterwäldlerische Tölpelhaftigkeit ab, während Pamela Prati als garstige Dämonin wunderbar funktioniert.
Die permanente Bedrohung, die Spannung zwischen den Figuren und die teils sehr verstörenden Einfälle machen SUKKUBUS – DER TEUFEL IM LEIB zu einem außergewöhnlichem Folk-Horrorfilm aus deutschem Lande. Ein Film, der voller Überraschungen steckt. Wie ein wilder Mix aus EVIL DEAD (1981), DER FLUCH (1988) und HAGAZUSSA – DER HEXENFLUCH (2017).
(Bjoern Candidus)
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