DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE
(THE MAN WHO KNEW TOO MUCH, GB, 1934, Regie: Alfred Hitchcock)
Bob, Jill und Tochter Betty Lawrence lernen in ihrem Skiurlaub in der Schweiz den Franzosen Louis Bernard kennen. Während einer abendlichen Veranstaltung wird dieser von einem Scharfschützen tödlich getroffen. Bevor er stirbt bittet er Jill Lawrence, seinen Rasiererpinsel, der mit einem wichtigen Hinweis ausgestattet wurde, aus seinem Zimmer zu holen und dem britischen Konsul zu überreichen. Jill wendet sich an ihren Mann Bob, der sich auf das Zimmer begibt, den Zettel an sich nimmt, aber schließlich von der Polizei ertappt und zum Verhör mitgenommen wird. Wenig später bekommt Bob ein Telegramm, in dem er darüber informiert wird, dass seine Tochter entführt wurde.
Ein Attentat mit politischem Hintergrund, eine Kindesentführung und eine Belagerung eines Hauses voller Gangster liefert Alfred Hitchcock in DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE, dem er 22 Jahre später ein eigenes Remake bescherte.
Dass hier alles noch eine Nummer kleiner ist, dürfte klar sein, dennoch zeichnet sich diese britische Produktion durch eine sehr dichte Atmosphäre aus, die auch den sehr schönen Kulissen geschuldet sind.
Ist man 1956 in Marokko, ist man hier anfänglich in den Schweizer Alpen, bevor es nach London geht. Oben in den Bergen darf man dann einem Wettbewerb in Tontaubenschießen beiwohnen, bevor der Franzose Louis Bernard während einer Tanzveranstaltung erschossen wird, was bereits sehr gut inszeniert wurde und die Spannungsschraube direkt anzieht. Was man allerdings auch schnell merkt, ist, dass Hauptdarsteller Leslie Banks, der 1932 als Graf Zaroff in die Horrorfilmgeschichte einging, kein James Stewart ist, mit dem ich sogar mitfiebern würde, wenn er nur sein Mittagessen suchen würde. Von Nova Pilbeam als Ehefrau Jill und Edna Best als Tochter Betty ist auch nicht viel zu erwarten. Aber gut, dafür hat man den phantastischen Peter Lorre als Antagonist, der hier mit einem Narbengesicht und gefärbter Haarsträhne aufwartet und erneut sein schauspielerisches Können beweist.
Nahm sich Hitchcock für sein Remake gleich 120 Minuten Zeit, bewegt er sich hier im Rahmen von 75 Minuten. Alles passiert Schlag auf Schlag, was die Spannung aufrecht erhält bis zum bleihaltigen Finale, in dem sich Peter Lorre als Abbott mit seinen Schergen und der entführten Tochter Betty in einem Haus in London verschanzen.
DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE ist ein packend inszenierter Thriller, der schon deutlich zeigt, zu was Hitchcock im späteren Verlauf seiner Karriere fähig sein wird.
(Bjoern Candidus)
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