BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES
(NIGHT OF THE DARK FULL MOON, USA, 1972, Regie: Theodore Gershuny)
Der Anwalt John Carter wird von Jeffrey Butler beauftragt, das mit unschönen Erinnerungen belastete Haus seins Großvaters Wilfried Butler an die Stadt zu verkaufen. Er möchte das Haus, in dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen gestorben ist, schnellstmöglich loswerden. Doch als sein Anwalt das Haus aufsucht, wird er und seine Dame, mit der er sich dort amüsieren möchte, von einem Unbekannten mit der Axt erlegt. Dann taucht Enkel Jeffrey Butler selbst vor Ort auf. Gemeinsam mit Diana Adams, die ihm ihre Hilfe anbietet, wollen sie das Geheimnis hinter dem Butler-Haus lösen.
Theodore Gershunys Regiearbeit präsentiert sich als düsterer Slasher-Vorläufer mit Feiertags-Stimmung. Einer der Alternativtitel lautet SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT, der etwas passender klingt als der Originaltitel. Weihnachtsdekorationen und Weihnachtslieder wie Silent Night, Holy Night halten sich aber dezent zurück und dienen eher zur Staffage, denn inhaltlich hat das Fest hier keine große Relevanz, sorgt aber für eine heimelige Stimmung, die allerdings immer mit dem Grauen durchzogen wird, was hier schaltet und waltet. Eine ähnliche Atmosphäre erzeugte Bob Clark zwei Jahre später in seinem weihnachtlichen Früh-Slasher BLACK CHRISTMAS, der als Double Feature mit diesem hier gleich hinterher geguckt werden kann. Überhaupt besitzt der Film eine ähnliche Aura wie das Frühwerk von Bob Clark und Alan Ormsby, die für das Aufleben des kanadischen Horror-Kinos mitverantwortlich waren.
Gershuny gelingt es mit BLUTNACHT Spannung sowohl durch die Story als auch durch die Bildgestaltung aufzubauen. Die verschneite Landschaft mit ihren skelettartigen Bäumen unterstützt die an sich schon unheimliche Stimmung, von der man die gesamte Spielzeit nicht abweicht. Der Killer, der durch das marode Anwesen der Butlers schleicht, zeigt sich in Giallo-Mörder-Tradition: schwarzer Mantel, schwarze Handschuhe, zudem telefoniert er, ein Hobby, dem man auch in BLACK CHRISTMAS frönt. Statt mit einem Messer wird hier mit der Axt getötet, die für eine recht derbe Szene sorgt. Der bedrohliche Score von Gershon Kingsley zieht zusätzlich die Spannungsschraube an. Auch die Besetzung ist gelungen. Warhol Muse Mary Woronov (und ganz kurz: Candy Darling) ist am Start und verbreitet ihren Charme, ebenso das Urgestein David Carradine, allerdings eher am Rande. Der recht unbekannte James Patterson übernimmt den Part von Jeffrey Butler, Patrick O’Neal den von seinem Anwalt John Carter.
BLUTNACHT ist ein packender, ruhig inszenierter Horror-Thriller mit einer guten Story, mysteriösen Figuren und einer düsteren Atmosphäre mit winterlichem Alptraumcharakter und einem Hauch von Weihnachten.
(Bjoern Candidus)
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