THE LONG DARK TRAIL
(USA, 2021, Regie: Kevin Ignatius, Nick Psinakis)
Die beiden Brüder Henry und Jacob leiden unter ihrem gewalttätigen Vater Duane. Eines Tages beschließen sie abzuhauen, um ihre Mutter zu suchen, die irgendwo in einem Camp in den Wäldern leben soll. Sie fesseln ihren Vater ans Bett, schnappen sich Proviant und ihre Ausrüstung und ziehen los in die Wälder von Pennsylvania. Doch die Suche nach ihrer Mutter wird zu einer unheimlichen Erfahrung.
Ich bin mir sicher, dass es die beiden Regisseure Kevin Ignatius und Nick Psinakis hier wirklich gut meinten, denn die Ansätze sind zu erkennen, und das ist auch der Grund, warum ich dem Independent-Film ganz gut gesonnen bin. Wenn man etwas gegen Ereignislosigkeit und Schneckentempo im Film hat, sollte man um diesen hier einen großen Bogen machen. THE LONG DARK TRAIL ist ein Kriecher, wie er im Buche steht. Zwei Jungen laufen durch den Wald, zwei Jungen sitzen im Wald, mehr passiert hier lange Zeit nicht, bis die Jungs plötzlich auf mysteriöse Holzkunst stoßen, die an den Bäumen hängt und natürlich sofort an THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) erinnert. Ich hätte die Ästchen zwar nicht gebraucht, andererseits deuten sie dezent an, was vor den beiden Jungen liegen könnte. Ein bisschen mehr Fahrt und vor allem Horror kommt auf, wenn sich plötzlich eine unschöne Wunde am Hals von Henry auftut, die in Kombination mit dem Wald-Setting unweigerlich an CABIN FEVER (2002) erinnert.
Das Hauptproblem ist die Langatmigkeit der Inszenierung. Die beiden noch jungen Darstellern Carter und Brady O’Donnell, die auch im echten Leben Brüder sind, sind sympathisch, aber agieren teilweise etwas hölzern. Das kann man ihnen aber nicht verübeln, stehen doch beide hier das erste Mal vor der Kamera. Andererseits wirken sie durch ihr Verhalten auch weniger aufgesetzt als viele ihrer Kollegen. Sieht man vom hässlichen Digital-Look ab, ist die Kameraarbeit von Mitchell Kome sehr schön. Es gibt gute Kamerafahrten und Vogelperspektiven, die sich immer im Einklang mit dem düsteren Score von Kevin Ignatius bewegen.
THE LONG DARK TRAIL ist ein düsteres, kriechendes, manchmal sogar spannendes Folk-Horror-Drama mit einigen Problemen. Und er ist ein gutgemeinter Versuch, sich jenseits von Zombies, Slasher-Killern, Torture Porn-Psychos oder Jump-Scare-Geistern zu bewegen.
(Bjoern Candidus)
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