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Late Night Trains, 1975 – ★★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN
(L‘ULTIMO TRENO DELLA NOTTE, Italien, 1975, Regie: Aldo Lado)

Lisa will mit ihrer Freundin Margaret über Weihnachten bei ihren Eltern in Italien verbringen. Dafür nehmen sie den Zug, der sie von München über Innsbruck zu ihrem Ziel führen soll. Doch in Österreich steigen zwei Männer in ihren Nachtzug, die nichts Gutes im Schilde führen. Sie bedrängen eine nach außen hin feine Dame, die es aber faustdick hinter den Ohren hat, denn sie animiert die beiden Männer, Lisa und Margaret sexuell zu demütigen und zu vergewaltigen. Die Situation gerät komplett außer Kontrolle. 

Zwar bestritt Aldo Lado (THE CHILD – EINE STADT IN ANGST, 1972) sich mit seinem MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN von Wes Craven LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) inspiriert zu haben, aber das macht nichts. Cravens Rape-and-Revenge-Film wurde schließlich von Ingmar Bergmans DIE JUNGFRAUENQUELLE (1960) inspiriert. Und sadistische Vergewaltiger und Mörder fluteten ohnehin die Kinos, und so bediente sich Lado an einem gängigem Thema. 

Wer Aldo Lados MALASTRANA (1971) kennt, der weiß, dass der Italiener ein absolutes Gespür für Atmosphäre, Spannung und Bildgestaltung beherrscht. MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN braucht also keine innovative Story, um einen von der ersten bis zu letzten Minute zu packen. Das gelingt Lado vor allem auch durch die glänzende Besetzung. Die beiden Studentinnen Lisa und Margaret werden von Laura D‘Angelo (DER TÖDLICHE KREIS, 1978) und Irene Miracle (INFERNO, 1980) dargestellt, die beide hervorragend die Unschuld vom Lande verkörpern. Signora Perbene, die nach außen hin eine feine, hochmoralische Dame spielt, aber eigentlich ein grenzenloses Miststück ist, wird ganz phantastisch von Macha Mérli verkörpert. In PROFONDO ROSSO (1975) sieht man sie als Medium, hier als sexgeile Manipulatorin. Die beiden Verbrecher Fausto und Grasso werden von Flavio Bucci (SUSPIRIA, 1977) und Gianfranco De Grassi (FANGO BOLLENTE, 1975) verkörpert, die ebenfalls hervorragend agieren. Es braucht nur weniger Worte und noch weniger Taten, um sie zu hassen. Und dann sind da noch die Eltern. Mutter Laura wird von Marina Berti (DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER, 1974) verkörpert, ihr Mann Giulio von dem wunderbaren Enrico Maria Salerno (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, 1970), der schnell von seinen moralischen Ansichten bezüglich Gewalt abkommt und in den Rachemodus schaltet. Der Cast überzeugt von vorn bis hinten. 

Die meiste Zeit spielt der Film im Zug, genauer in zwei Zügen, denn die Studentinnen steigen später in den Nachtzug, und mit ihnen ihr Verderben, was sie bereits im ersten Zug kennengelernt haben. Im Abteil des Nachtzugs kommt blaues Licht zum Einsatz, was eine unglaublich dichte Atmosphäre mitbringt. Normales Licht von außen mischt sich, und man hat zu jeder Zeit das Gefühl, der Zug sei wirklich in Bewegung. Lado baut einen äußerst brutalen Mikrokosmos im Rahmen eines Zugabteils auf, der immer durchzogen wird von der Mundharmonika von Grasso, bzw. Ennio Morricone, dessen Score sich hier einbaut und auch im späteren verlauft groß von sich hören lässt. Lado liefert ein paar sehr garstige, Szenen, meist mit sexueller Gewalt, die nicht ohne sind, aber die spätere Selbstjustiz des Vaters umso verständlicher machen. Auch die wenigen Abschnitte des Films, die nicht im Zug spielen, sind stark inszeniert. Vor allem die nebeldurchzogenen Felder am Morgen, wenn der Nachtzug einfährt, haben etwas gespenstisches. Kameramann Gábor Pogány hat hier alles unter Kontrolle und liefert sehr versierte Bilder. 

MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN ist einer der stärksten Vertreter des Rape-and-Revenge-Terror-Kinos der 1970er-Jahre. Trotz bekannter Story, liefert Lado einen spannenden Film ab, der zu jeder Sekunde hochwertig aussieht. 

(Bjoern Candidus)

←The Lost Continent, 1968 – ★★★½
The Long Dark Trail, 2021 – ★★½→

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