LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE
(VIOLENZA IN UN CARCERE FEMMINILE, Frankreich, Italien, 1982, Regie: Bruno Mattei)
Skandal-Reporterin Emanuelle hat einen neuen Auftrag: Sie nimmt eine falsche Identität an, um die üblen Machenschaften in einem Gefängnis aufzudecken. Als Laura Kendall, die wegen Drogenbesitz und Prostitution verurteilt wurde, wird sie in das berüchtigte Gefängnis Santa Catharina eingeliefert. Dort herrschen nicht nur die strengen Regeln des Gesetzes, sondern auch Folter, Demütigungen und sexuelle Ausschweifungen, die von der Gefängnisdirektorin und ihren Handlangerinnen ausgehen. Laura dringt immer tiefer vor in das scheußliche System hinter den Zuchthausmauern. Aber es gibt auch ein Lichtblick: der Gefängnis-Arzt Dr. Moran.
Was Jess Franco konnte, konnte auch Bruno Mattei: Lager- und Gefängnisfilme drehen. Dass hier auch Claudio Fragasso wieder die Hände im Spiel hatte, versteht sich fast von selbst. Dieser schrieb mit seiner Ehefrau Rossella Drudi das Drehbuch.
Wer Jess Francos WIP GRETA – HAUS OHNE MÄNNER (1977) kennt, dem wird die Story von LAURA sicher nicht fremd sein. In beiden Filmen wird eine Frau in ein Gefängnis eingeschleust, um an Beweise für die üblen Machenschaften zu gelangen, und in beiden Filmen gibt es eine herrsch- und sexsüchtige Direktorin, die ihre Spielzeuge der Lust unter den Gefangenen findet. In GRETA wurde diese von Dyanne Thorne verkörpert, in LAURA von Lorraine de Selle (DIE RACHE DER KANNIBALEN, 1981).
Statt Überraschungen oder Innovationen liefert Mattei, was man von einem italienischen Gefängnisfilm erwartet: Nacktes Fleisch, Folter und Mord hinter ranzigen Gefängnismauern. Nebenbei wurde der Film sogar noch recht brauchbar fotografiert und überzeugt, stets durch seinen Schauplatz. Und mit Laura Gemser, ihrem damaligen Ehemann Gabriele Tinti, Franca Stoppi (SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF, 1979) und bereits erwähnten Lorraine de Selle, hat Mattei ein wirklich tolles Päckchen geschnürt, was den Freund schmieriger 70er- und 80er-Italofilme höchst erfreuen dürfte. Dadurch wird natürlich auch die Erwartungshaltung hoch.
Lichtblicke kommen, wenn Frau Gemser von schwarzen Ratten mit roten Augen angefressen wird, die älteste Gefangene ihr Haustier, einen in einem kleinen Käfig gefangenen Käfer, präsentiert oder Frau Direktorin bei der bestellten Vergewaltigung einer Gefangenen ihre voyeuristischen Neigungen befriedigt. Ansonsten gibt es viel Fummelei, Prügel und eine lustige Szene mit Kot. Im übrigen handelt es sich strenggenommen, nicht um einen WIP, denn das Gefängnis hat auch einen Männertrakt, der auch mal kurz mit den üblichen Klischees ausgemalt wird. Abgerundet wird das Ganze von einem Score von Luigi Ceccarelli.
LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE liefert inhaltlich nichts Neues, wurde aber insgesamt solide inszeniert, passend besetzt und geizt nicht damit, die niederen Instinkte zu befriedigen.
(Bjoern Candidus)
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