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Leonor, 1975 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

ELEONORE
(LEONOR, Frankreich, Italien, Spanien, 1975, Regie: Juan Luis Buñuel)

Nachdem dem tragischen Tod seiner geliebten Leonor, heiratet Ritter Richard Catherine, die ihn zweimal zum Vater macht. 10 Jahre sind vergangen, doch Richard hat den Verlust seiner ersten Frau Leonor nie überwunden. Immer wieder zieht es ihn zur Gruft, bis er einem mysteriösen Mann begegnet, der ihm anbietet, seine Frau in die Welt der Lebenden zurückzubringen. Kurze Zeit später steht Leonor von den Toten auf. 

Juan Luis Buñuel, der Sohn vom großen Luis Buñuel, hat hier ein Horror-Liebes-Drama im Kleid eines mittelalterlichen Historienfilm gezaubert. 

Von Beginn an stürzt einen Buñuel in die traurige Welt von Ritter Richard, der in seiner Burg wohnt und in Sorge ist um seine im Sterben liegende Frau Leonor. Es folgen lange Zeit Einblicke in Richards neues Leben mit seiner neuen Frau und seinen beiden Söhnen. Doch die Verzweiflung Richards thront über allem. Immer wieder begibt er sich in die Gruft, sitzt neben ihrem Sarg und ist verzweifelt. Verzweifeln tut auch seine neue Frau Catherine, die nicht mehr weiß, wie sie ihren Mann glücklich machen kann. Neben Liebe, Verlust, Trauer und Verzweiflung baut Buñuel auch den Konflikt zwischen dem Glauben an Gott und der Naturwissenschaft auf. Er streut nebenbei die Inquisition mit ein, die eine junge Frau wegen angeblicher Hexerei und Tötung von Kindern verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrennt, bevor auch noch die Pest ihre Beulen des Todes verbreitet. Mehr Hoffnungslosigkeit ist kaum möglich, und trotzdem ist ELEONORE ein wunderschöner Film, der prächtig von Luciano Tovoli fotografiert wurde. Besonders die Landschaftsaufnahmen und die mittelalterlichen Bauten sind toll eingefangen und vermitteln jederzeit ein authentisches Bild. 

Doch über der visuellen Kraft der Bilder steht das Schauspiel der Darsteller. Michel Piccoli spielt den von Trauer gezeichneten Richard wirklich hervorragend, und Liv Ullmann als Leonor ist das perfekte Gegenstück. Ein Liebespaar, getrennt durch einen tragischen Tod. Eine weitere leidtragende Person ist Ornella Muti als Catherine, die völlig verzweifelt ist, weil sie Leonors Platz niemals einnehmen kann. Von den Hauptdarstellern bis zu den Nebendarstellern darf man sich hier auf eine sehr gute Besetzung freuen.

Doch ELEONORE ist nicht nur ein Liebesdrama, sondern wird mit der Wiedererweckung Leonors zu einem finsteren Gothic-Horrorfilm mit vampirischen Elementen. Dass Leonors Rückkehr nichts Gutes erahnen lässt, liegt fast auf der Hand, auf der Affenpfote, um genau zu sein. Inhaltlich erinnert die Geschichte nämlich etwas an William Wymark Jacobs Kurzgeschichte „Die Affenpfote“, die später King zu „Friedhof der Kuscheltiere“ inspirierte. Aber auch „Carmilla“ von Sheridan Le Fanu, „Rebecca“ von Daphne du Maurier oder „Der Untergang des Hauses Usher“ von Poe zeichnen sich ab. Die tatsächlich Ursprungsgeschichte basiert laut Vorspann auf dem deutschen Dichter Ludwig Tieck (1773-1853). Meine Recherche hat allerdings ergeben, dass die Geschichte „Lasst die Toten ruhen“ von Ernst Benjamin Raupach (1784-1852) die eigentliche Vorlage sei. Möglicherweise ist ELEONORE eine Mischung aus zwei Werken. Wie dem auch sei, im letzten Drittel wird der Film immer mehr zu einem unheimlichen Horrorfilm, wenn sich Leonor, als wäre sie nie gestorben, wieder auf der Burg präsentiert und heimlich Jagd auf Kinder macht, denen sie vorher schreckliche Geschichten über erblindete Menschen mit Blähbäuchen erzählt. Und schnell verliert auch Richard die Lust an Leonors Rückkehr. 

Woran ich nie die Lust verliere, ist an Ennio Morricone, der hier lange Zeit bittersüße Schwermut für die Ohren mitbringt und gegen Ende mit spannenden Klängen aufwartet. 

ELEONORE ist ein tieftrauriges, wunderschön inszeniertes Schauerstück, was leider unter dem Radar läuft. 

(Bjoern Candidus)

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