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Phantom of Death, 1988 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

OFF BALANCE – DER TOD WARTET IN VENEDIG
(UN DELITTO POCO RUBENS, Italien, 1987, Regie: Ruggero Deodato)

Der erfolgreiche Pianist Robert Domenici leidet plötzlich an einer Krankheit, die ihn binnen kurzer Zeit stark altern lässt. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Zu seinem körperlichen Zerfall gesellt sich auch noch ein geistiger, der ihn zum Killer macht. Inspektor Datti ist auf den Fall angesetzt, und der ahnt nicht, wie nahe er dem Täter ist. 

Während die Zeit von Großtaten eines Lucio Fulcis, Sergio Martinos oder Umberto Lenzis langsam vorbei waren, konnte sich ein Dario Argento in den späten 80er-Jahren noch am ehesten mit richtiger Qualität schmücken. Irgendwo in den mittleren Bereich schaffte es Ruggero Deodato. Vor allem konnte Deodato immer mit wechselnden Themen überraschen. 1984 servierte er mit CUT & RUN einen actionreichen Dschungel-Sekten-Medien-Schocker; 1986 kredenzte er mit BODYCOUNT – DIE MATHEMATIK DES SCHRECKENS einen netten Wald-und-Wiesen-Slasher. Aus dem gleichen Jahr, stammt der Abenteuer-Actionfilm FLASH FIGHTER, dem ein Jahr später der ansehnliche Fantasyfilm DIE BARBAREN folgte. Mit OFF BALANCE widmete sich Deodato dann dem Giallo, den er vorher, im Gegensatz zu vielen seiner Regie-Kollegen, nie wirklich aufgegriffen hat. 1987 war diesbezüglich ein gutes Jahr für den Giallo, denn Dario Argento feuerte mit OPERA sein wohl letztes großes Meisterstück in die Welt. Das Niveau von OPERA wird hier natürlich nicht erreicht, aber es soll hier auch nicht um einen Vergleich gehen.

Deodato wäre nicht Deodato, wenn er nicht etwas Spezielles mit einfließen lässt. Und so ist OFF BALANCE – DER TOD WARTET IN VENEDIG nicht nur ein italienischer Thriller, sondern auch ein Drama über einen schwerkranken Mann, der in kürzester Zeit seinen Verstand verliert und zum Mörder wird. Wer der Killer ist, bleibt nicht lang geheim, da der Zuschauer Michael Yorks Leidensweg miterleben soll, und der ist kein schöner. Hier ist viel Leid und Schwermut, die nicht nur durch Yorks Charakter, sondern auch durch Pino Donaggios Score zu Tage kommt. Michael York ist wirklich gut ausgewählt worden. Und das Wiedersehen mit Edwige Fenech, die hier eine schreckliche 80er-Jahre-Frisur trägt, hat mich auch gefreut, da ihr letzter Auftritt in einem Giallo zu dieser Zeit auch schon über 10 Jahre her war. Über Donald Pleasence freue ich immer, und hier kommt er als Inspektor teilweise noch mal richtig aus sich heraus. Ansonsten gibt es noch kleine Auftritte von Caterina Boratto (DIE 120 TAGE VON SODOM, 1975), Giovanni Lombardo Radice (ASPHALT- KANNIBALEN, 1980) und Hal Yamanouchi (GHOSTHOUSE, 1989). Die Besetzung stimmt also soweit. Das im deutschen Titel groß angekündigte Venedig geht leider ziemlich unter. Es gibt ein paar kurze Impressionen vom Markusdom und vom Ufer, aber das war es dann. Die restlichen Aufnahmen entstanden im Studio oder an anderen Orten in Italien. Auch wenn die 80er-Jahr immer mal wieder durchscheinen, versprüht der Film doch mehr den Charme der 70er, dabei orientiert er sich inhaltlich an einem ziemlich modernen Horrorfilm. Die Krankheit, von der im Film die Rede ist, nennt sich Progerie (im Film wird der Name nicht genannt) und tauchte ganz prominent in Tony Scotts Whitley Strieber Adaption BEGIERDE (1983) auf. Das schnelle Altern tritt in der Regel schon in frühester Kindheit auf, nicht erst im Erwachsensein. Hier kommt es auch zu einer recht verstörenden Szene, in der man ein Kind auf einem Spielplatz schaukeln sieht. Dieses Kind ist an Progerie erkrankt, was man durch ein sehr fieses Make-up verdeutlichen wollte. In Sachen Effekten tobt man sich sogar aus, wenn man die sonstige ruhige Art des Films bedenkt. Die Stichattacken, die meistens gezielt in Hälse gehen, sind kurz, aber äußerst blutig; da sieht man, wer hier am Steuer sitzt. Ganz okay, aber nicht so gut wie in BEGIERDE, ist das Alterungs-Make-up von Michael York. Am Hals krankt es schon mal, aber ansonsten kann man damit leben.

OFF BALANCE – DER TOD WARTET IN VENEDIG ist ein interessanter Giallo, dem es zwar an Spannung mangelt, aber dafür liefert Deodato Dramatik, Charaktere, schöne Bilder und sticht nebenbei ordentlich zu.

(Bjoern Candidus)

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