MALOMBRA
(Italien, 1984, Regie: Bruno Gaburro)
Nachdem sich Marco bei seinem Onkel und seiner Schwägerin eingenistet hat, dessen Frau vor einiger Zeit gestorben ist, lernt er die junge Cameriera kennen. Diese ist sehr angetan von ihm und versucht seine Sexualität richtig zu entfachen. Doch dann kommt es zu einer geheimnisvollen Begegnung mit einer Dame, die seiner verstorbenen Tante auf unheimliche Art gleicht.
Bruno Gaburro, der sich vor allem zwischen Erotik, Softsex und Drama bewegt, hat hier ein visuell ansehnliches Softsex-Drama mit Gothic-Grusel Anstrich gezaubert. Grusel ist ein großes Wort, was hier im Grunde fehl am Platz ist. In dem Bereich hätte Gaburro mit kleinen Mitteln etwas erreichen können, aber die Erotik kam ihm dazwischen. Auch gut. Das Set bietet dafür schon mehr Stimmung. Der Gothic-Freund wird durch das Herrenhaus und der dazugehörenden Parkanlage des Onkels angesprochen, und hin und wieder hört man auch Donner grollen. Die Fotografie von Pasquale Fanetti kann sich sehen lassen, und in den stärksten Momenten wird sogar eine richtig edle Stimmung durch Licht und dem erdigen Anstrich der Sets erzeugt. Für das Drehbuch zeichnete sich Piero Regnoli verantwortlich. Kein unbeschriebenes Blatt, hat er doch Drehbücher zu so unvergesslichen Schmierfilmen wie PATRICK LEBT! (1980), DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES (1981) oder SEXORGIEN IM SATANSSCHLOSS (1982) geschrieben. PATRICK LEBT! kann einem zumindest in Bezug auf die Villa in den Sinn kommen. In welcher Villa man hier ist, weiß ich nicht, jedenfalls ist es nicht die legendäre Villa Parisi, auch wenn sie ihr stark ähnelt. Piero Regnoli hat sich hier an einem Thema bedient, was auf dem Roman MALOMBRA von Antonio Fogazzaro (1842 – 1911) zurückgeht, der das erste Mal als Stummfilm im Jahre 1917 unter der Regie von Carmine Gallone adaptiert wurde. Es folgten einige andere Adaptionen, wie z.B. EIN ENGEL FÜR DEN TEUFEL (1966) von Camillo Mastrocinque.
Das Hauptanliegen ist hier ganz klar die Schlüpfrigkeit, das Selbstbefummeln von Paola Senatore (LEBENDIG GEFRESSEN, 1980) die netten Spielereien zwischen Cameriera (Scilla Jacu) und Marco (Stefano Alessandrini). Dazu gibt es noch das herrschsüchtige Verhalten von Maurice Poli (RABID DOGS, 1974) als Onkel Osvaldo und ein Wiedersehen mit Gino Milli (HORRORSEX IM NACHTEXPRESS, 1980), der auch hier scheinbar graue Staubmäuse auf dem Kopf trägt. Leider schleicht sich auch immer wieder eine gewisse Langeweile ein, wenn mal wieder irgendwer irgendwen befummelt.
Unterdrückung, Manipulation, Liebe, Sex und Zärtlichkeit… MALOMBRA ist ein nettes Italo-Filmchen, was mit Baujahr 1984 verdammt nach 70er-Jahre-Kino aussieht.
(Bjoern Candidus)
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