NIGHT EYES
(DEADLY EYES, Kanada, 1982, Regie: Robert Clouse)
Eine Lieferung mit Steroiden verseuchter Mais dient als Nahrungsquelle für eine Horde Ratten, die alsbald zu hundegroßen Bestien heranwachsen, denen Katzen nicht mehr ausreichen und sich fortan auf Zweibeiner konzentrieren. Recht so. Nicht aber für eine Dame vom Gesundheitsamt und einem Sportlehrer, die die Gefahr erkennen und gegen sie in den Ring steigen.
Robert Clouse (DER MANN MIT DER TODESKRALLE, 1973) lässt die Ratten los und serviert mit NIGHT EYES die Adaption zu „The Rats“, dem Debüt-Roman des britischen Schriftstellers James Herbert aus dem Jahre 1974.
Ratten sind, besonders im Horrorkino, beliebt und zeigen über die Jahrzehnte immer wieder ihre Knopfaugen. Man kennt sie als Freunde von Verstoßenen (WILLARD, 1971 / BEN, 1972), als gefräßige Riesenviecher (DIE INSEL DER UNGEHEUER, 1976 / DIE STUNDE DER RATTE, 1989) oder als Randerscheinung, wenn sich ein Vampir in sie verwandelt (BRAM STOKER‘S DRACULA, 1992). Ratten sind schlau, niedlich und fotogen, wobei in NIGHT EYES nicht jede Ratte eine Ratte ist. Als Darsteller werden hier nämlich nicht nur Ratten oder Rattenpuppen, sondern auch Dachse mit Rattenkostümen eingesetzt, was meistens eher lustig aussieht, wenn man die Bewegungen beobachtet. Gerade in diesen Szenen geht der Film mit einer ordentlichen Schnitt-Geschwindigkeit vor, um kleinere Schwierigkeiten in der Darstellung zu kaschieren. Die Attacken der Nagerfreunde sind kurz und blutig, aber im Vergleich zur Vorlage deutlich zurückhaltender. Während Herbert in seinem Roman z.B. erst einen Hund vor den Augen eines Babys fressen lässt, bevor das Baby selbst gefressen wird, ist es im Film ein Kleinkind, was im Off sein Leben lässt. Überhaupt ist Herberts Roman, der storytechnisch nicht sonderlich tief schürfend ist, aber auf seine Art sehr gut als blutiger Pulp-Roman funktioniert, nur lose zu erkennen. Der Roman ist jedenfalls kompakter gehalten, als der Film, der manchmal sprunghaft wirkt und sich teilweise zu oft mit Belanglosigkeiten aufhält. Im Vergleich dazu wird nur selten anhaltende Spannung oder eine unheimliche Stimmung aufbaut.
Das Schlimmste sind aber die meisten männlichen Darsteller, angeführt von Sam Groom als Sportlehrer Paul Harris, die wie passive Strohpuppen daherkommen und im völligen Kontrast zu der starken weiblichen Besetzung stehen. Sara Botsford als Kelly Leonard vom Gesundheitsamt macht Spaß, aber noch mehr frischen Wind bringt Lisa Langlois, die bestens bekannt ist aus Claude Chabrols Psycho-Thriller BLUTSVERWANDTE (1978). Was die männliche Seite angeht, darf man sich zumindest über ein Wiedersehen mit Scatman Crothers (SHINING, 1980) freuen, der hier erneut in winterlicher Umgebung unterwegs ist. Aber nicht nur die Wetterbedingungen sind angenehm, sondern auch das Setting. Gedreht wurde in Toronto, und Großstätte sind selten die Schauplätze für Tierhorrorfilme, was sich 1984 vielleicht auch Franco E. Prosperi bei WILD BEASTS dachte, der einem hier durchaus in den Sinn kommen darf. Und WOLFEN (1981) von Michael Wadleigh, sollte man in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen.
NIGHT EYES gewinnt durch seine Großstadt-Atmosphäre, durch ein paar blutige Momente und durch die weiblichen Darsteller, verliert aber durch seine sprunghafte Erzählstruktur, seine zu kurzen Spannungsmomente und dem einschläfernden Sam Groom.
(Bjoern Candidus)
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