SHE BEAST – DIE RÜCKKEHR DES GRAUENS
(LA SORELLA DI SATANA, GB, Italien, 1966, Regie: Michael Reeves)
Auf ihrer Hochzeitsreise durch Transsilvanien haben Philip und Veronica einen Autounfall. Während Philip mit dem Schrecken davon kommt, nistet sich in Veronica die böse Seele der Hexe Vardella ein, die 200 Jahre zuvor in einem See ertränkt wurde. Fortan tyrannisiert das Hexenweib die Nachfahren derer, die ihr einst das Leben nahmen.
Michael Reeves, der mit nur 25 Jahren an einer Überdosis Barbiturate in Kombination mit Alkohol das Leben verließ, legte hier seinen Debüt-Langfilm hin, der noch nicht das meisterliche Können verrät, was er mit DER HEXENJÄGER (1968) an den Tag legte; hier ist allerdings auch noch kein Vincent Price im Boot. Aber dafür ist Barbara Steele (DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT, 1960) am Start, und wenn die auftaucht, ist zumindest die Welt der Augen im Einklang. Als Veronica macht sie ordentlich was her, und nicht weniger attraktive ist ihr Ehemann Philip, dargestellt von Ian Oglivy (IM BANNE DES DR. MONSERRAT, 1967). Ein bildhübsches 60er-Jahre-Pärchen, was im deutlichen Kontrast zu der bäuerlichen Welt steht, die sie hier besuchen. Für Kopfschütteln sorgt hingegen John Karlsen (DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL, 1971) als schrulliger Graf van Helsing, ein Nachfahre von unserem hoch geschätzten Abraham. Der sorgt allerdings auch für die komödiantischen Züge, die den Film zu einer Art Vorschau auf TANZ DER VAMPIRE (1967) werden lässt. Dass dieser Film in keiner Hinsicht die Klasse von Polanski erreicht, muss ich hier nicht erwähnen, mache ich aber trotzdem. Die humorvolle Seite von SHE BEAST – DIE RÜCKKEHR DES GRAUENS passt eigentlich gar nicht zum Großteil des Films, fällt aber auch nicht stark ins Gewicht, da der Film von Anfang an ziemlich gaga wirkt. Bereits die anfängliche Rückblicksequenz, in der Vardella ertränkt wird, sorgt für Schmunzeln, was vor allem an dem Aussehen der Hexe liegt, die genau so auch in Claudio Fragassos ZOMBIE 4 – AFTER DEATH (1989) als Zombie hätte mitmischen können. Zudem ist die Inszenierung für 1966 teilweise ziemlich blutig geraten, was in Kombination mit dem Humor sonderbar, fast aus der Zeit gefallen wirkt. Was viele Regisseure und Studios der 60er-Jahre bei Horrorfilmen oft spielend beherrschten, war ein Gespür für Atmosphäre, doch SHE BEAST bleibt in diesem Bereich ziemlich trist. Statt einem finsteren Gothic-Horror-Schloss und einer menschenfeindlichen Grusellandschaft, gibt es ländliche Abschnitte mit Bauernhöfen. Der Film ist sehr hell, was den Vorteil hat, dass man die schöne Natur gut betrachten kann, andererseits wird so kaum Atmosphäre aufgebaut. Gedreht wurde in Italien und im ehemaligen Jugoslawien, was als Transsilvanien verkauft wird.
SHE BEAST – DIE RÜCKKEHR DES GRAUENS ist weder Fisch noch Fleisch; mal wird er eklig, mal verkommt er in Albernheit. Was Reeves aber definitiv gelungen ist: mich knapp 80 Minuten zu unterhalten, und nur das zählt unter dem Strich.
(Bjoern Candidus)
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