BRUTALE STADT
(CITTÀ VIOLENTA, Italien, Frankreich, 1970, Regie: Sergio Sollima)
Man sollte sich nie sicher sein, als Profikiller schon gar nicht, was Jeff Heston feststellen muss, als man ein Attentat auf ihn verüben will. Zwar wird er bei dem Mordversuch schwer verwundet, kann aber einen der Täter töten. Das bringt ihn allerdings erst mal hinter Gittern. Doch nachdem ihn sein Anwalt frei bekommt, begibt er sich in die USA, um den Drahtzieher für den Mordmordversuch zur Strecke zu bringen.
Nachdem Sergio Sollima mit DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE (1967), VON ANGESICHT ZU ANGESICHT (1967) und LAUF UM DEIN LEBEN (1968) drei ganz hervorragende Italowestern in Folge abfeuerte, verließ er das Genre und wand sich mit BRUTALE STADT dem Gangster-Film zu.
Von Beginn an liefert Sollima und sein Kameramann Aldo Tonti wunderschöne Naturkulissen von Meer, Felsen und Pflanzen. Aber es dauert nicht lange, bis die Sommerurlaubstimmung von Jeff und seiner geliebten Vanessa von einer rasanten, sehr gut inszenierten Autoverfolgungsjagd unterbrochen wird, die in dem Mordversuch an Jeff endet. Die Qualität von Sollimas Italowestern wird auch hier übertragen. Alles sitzt. Zusätzlich wird Sollima erneut von Ennio Morricone unterstützt, der hier einen ganz prächtigen Score abgeliefert hat, der die Spannung auf hypnotische Art weiter vorantreibt. Die Spannung ist weniger im Rahmen von explosiven Schauwerten zu spüren. Es gibt ein bisschen Action und ein paar sehr gelungene Auftragsmorde von Jeff, die er mit einem Scharfschützengewehr ausführt, aber in erster Linie knistert es zwischen den wenigen Figuren. Charles Bronson als Auftragskiller ist nichts ungewöhnliches, doch sein Charakter ist durchzogen von Zweifeln und einem plötzlichen Gewissen, was in ihm aufflackert. Durch die Gewalt der Anderen wird er immer mehr von seiner eigenen abgestoßen. Und dann kommt ihm auch noch die Liebe dazwischen. Aber die schöne Vanessa, dargestellt von Bronsons Ehefrau Jill Ireland, hat es faustdick hinter den Ohren und ist nun auch die Geliebte von Al Weber, dem Kopf eines Verbrechersyndikats. Und der wird von einer weiteren Legende dargestellt: Telly Savalas. Der ist hier in bester Laune anzutreffen. Ich habe lange nicht mehr einen so entspannten Fiesling erlebt, der nur reden muss, um ihn zu verachten. Der macht Jeff unmissverständlich klar, wenn man sich einmal für die „Familie“ entscheidet, entscheidet man sich immer für die Familie. Eine Trennung gibt es nicht. Eine weitere Figur in der unheiligen Allianz ist der Anwalt Steve, der von Umberto Orsini verkörpert wird. Durch diese vier Figuren lernt man das Syndikat und die Strukturen kennen, was als Beiwerk funktioniert. Aber eigentlich liegt der Fokus auf der Zerrissenheit von Bronsons Figur, die er ganz wunderbar spielt.
Trotz einer Handvoll garstiger Szenen und vielen abwechslungsreichen, stets toll fotografierten Schauplätzen ist BRUTALE STADT ein Film der Charaktere und Worte, durch die er wunderbar funktioniert.
(Bjoern Candidus)
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