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Faceless, 1988 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

FACELESS
(Spanien, Frankreich, 1988, Regie: Jess Franco) 

Als sich eine Frau für ihre misslungene Gesichts-OP bei dem Arzt Dr. Flamand mit einem Säureattentat rächen will, bekommt die ätzende Lösung seine Schwester ins Gesicht. Diese ist fortan verzweifelt, was ihr Bruder mit allen Mitteln ändern will. Er entführt Frauen, um mit ihren Gesichtern das Gesicht seiner Schwester wiederherzustellen. Dafür benötigt er aber die Hilfe eines ehemaligen KZ-Arztes. Zur gleichen Zeit ermittelt ein Privatdetektiv im Fall einer verschwundenen Frau.

FACELESS ist ein weiterer Film von Jess Franco, den ich Leuten empfehlen würde, die mit dem Gros seines Werks nichts anfangen können, aber dennoch aufgeschlossen sind. Der Film hebt sich visuell deutlich von seinem Gesamtwerk ab, was natürlich auch daran liegt, dass man sich hier Ende der 80er-Jahre bewegt und gewisse Strömungen einfach verebbt waren. Außerdem ist bei Franco meist der Produzent ausschlaggebend. Francos Filmografie kann man sehr gut in Produzenten einteilen, um schnell zu wissen, was einen in etwa erwartet. Hier war es (einmalig) René Chateau, der auch die Story schrieb, die an Jean Redons „Les Yeux sans visage“ angelehnt wurde, die Franco bereits mit SCHREI IN DER NACHT (1962) verfilmte. Sehr viel populärer ist natürlich Georges Franju Adaption AUGEN OHNE GESICHT (1960).

FACELESS ist quasi die moderne, die 80er-Jahre-Schickimicki-Version mit Schönheitsops reicher Damen mit Föhnwellen, Make-up-Bergen und bunten Blusen, durchgeführt von schnöseligen Männern in Anzügen und Trenchcoats. Und nicht zu vergessen: einem Naziarzt, der Mengele zum Kollegen hatte und hier sein Können in Gesichtschirurgie unter Beweis stellt. Richtig hart und blutig, wenn auch nicht immer überzeugend umgesetzt, sind die Gore-Effekte. In Sachen graphischer Gewalt war Franco nie expliziter unterwegs und übertrumpft sogar seinen Slasher DIE SÄGE DES TODES (1981). Ein Säure-Attentat, eine Nadel, die ins Auge gerammt wird, Gesichtshautentfernungen, eine Enthauptung mit anschließender Liebkosung des Kopfes, sexuelle Übergriffe usw. finden hier statt, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Manches wirkt zu krude, um zu überzeugen, dennoch wird der Gore-Freund gut bedient. 

Was in FACELESS aber am auffälligsten ist und den größten Spaß bringt, ist die Besetzung. Abgesehen von Howard Vernon, der kurz als Dr. Orloff zu sehen ist und im Franco-Universum quasi zum guten Ton gehört, geben sich Helmut Berger, Telly Savalas und Anton Diffring die Ehre. Helmut Berger ist als Schönheitschirurg Dr. Flamand natürlich ganz prächtig besetzt. Telly Savalas befindet sich in seiner Rolle als Vater in Sorge leider nur in seinem Büro und telefoniert, während sich Anton Diffring als Nazi-Arzt Dr. Karl Hans Moser als darstellerisches Highlight des FIlms entpuppt. Unangenehm wird es auch mit Gérard Zalcberg als Gordon, der hier die Leichen entsorgt und/oder schändet. Christopher Mitchum geht hingegen als Privatdetektiv Sam Morgan fast unter. Und dann ist da noch die Damenwelt, die bei Franco natürlich besonders wichtig ist. Gleich drei Euro-Grazien dürfen mit Schönheit und Charme aufwarten: Brigitte Lahaie, Caroline Munro und Stéphane Audran. Leider nur ganz kurz im Bilde: Francos Ehefrau Lina Romay. Und wo viele Frauen sind, gibt es natürlich auch reichlich Erotik, vor allem von Brigitte Lahaie, die hier nichts anbrennen lässt.

FACELESS bietet nicht nur glänzende Darsteller und harten Gore, sondern hat auch ein paar sehr atmosphärische Momente zu bieten. Schön ist Paris am Abend, wenn die Weihnachtsbeleuchtung das nahende Fest der Liebe verrät oder man Berger mit seinen Damen beim Shopping sieht. Über diese Szenen wird dann entsprechende Musik gelegt, wie der ständig ertönende Popsong „Faceless“.

Auch wenn FACELESS nicht immer rund läuft, ist er doch ein sehr unterhaltsamer Horror-Thriller mit vielen blutigen Schauwerten und einer sehr sehenswerten Besetzung. Definitiv ein besonderer Franco. 

(Bjoern Candidus)

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