EIN FRESSEN FÜR DIE GEIER
(TWO MULES FOR SISTER SARA, USA, 1970, Regie: Don Siegel)
Sara hat Glück. Kurz bevor sie von drei Kerlen vergewaltigt werden soll, bekommt sie Hilfe von Hogan. Der befördert die Drei sofortig ins Jenseits und setzt seine Reise nach Mexiko mit Sara fort, die sich als Nonne herausstellt. Hogans Ziel ist der Goldschatzes einer französischen Garnison, während Sara die Befreiung der Mexikaner im Sinn hat.
Nach Ted Posts Western HÄNGT IHN HÖHER (1968) sitzt Clint Eastwood hier ein weiteres Mal als wortkarger, zynischer Typ Zigarillos rauchend im Sattel. Und würde man nicht von der wunderschönen Landschaft Mexikos erschlagen, könnte man meinen, man befände sich in einem weiteren Italowestern, in dem Eastwood erneut für Sergio Leone die Dollars einspielt. Der großartige Score von Ennio Morricone unterstreicht diese Illusion zusätzlich. Aber man ist nicht in Almería in Spanien, was einem als Mexiko verkauft wird, und das sieht man sofort. Die riesigen Kakteen, die faszinierenden Felsformationen und die Weite des Landes ist eine ganz andere Hausnummer als das europäische Pendant. Ich konnte mich hier an jedem Stein und jedem Wüstenabstrich erfreuen, und man hat auch Zeit genug, um die Landschaft zu erforschen. EIN FRESSEN FÜR DIE GEIER ist nämlich lange Zeit immer in Bewegung, was allerdings nicht heißt, dass hier viel passiert. Vor allem heißt es nicht, dass man hier schnell in Bewegung ist, denn die Inszenierung ist teilweise schon sehr langsam. In kleinen Häppchen erlebt das ungleiche Paar einige Abenteuer, bevor es zur großen Schlacht kommt. Dabei konzentriert sich Regisseur Don Siegel, der hier eine Story Budd Boetticher adaptiert hat, vor allem auf die beiden Hauptfiguren. Hogan wird von Clint Eastwood und Sara von Shirley MacLaine dargestellt. Beide harmonieren sehr gut und nicht selten gibt es ein paar humorvolle Momente zwischen den beiden.
Das Hauptproblem von EIN FRESSEN FÜR DIE GEIER ist seine Laufzeit von knapp 115 Minuten, die einfach nicht ausreichend ausgefüllt werden, um kontinuierlich zu packen. Nach einer fetzigen Eröffnungsszene folgt eine lange Reise bis man das Ziel erreicht hat und bekommt dann ein knappes Action-Finale, was mich völlig kalt gelassen hat. Hochwertig sieht hier alles aus, und auch die Stadt, die die französische Garnison besetzt hat, ist sehr atmosphärisch eingefangen.
Insgesamt fühlte ich mich bei EIN FRESSEN FÜR DIE GEIER sehr angenehm unterhalten. Die Naturkulisse im Einklang mit Morricones Musik hat mein Herz erwärmt. Eastwood und MacLaine überzeugen als Duo, doch es mangelt etwas an Highlights und Spannung, was auch das Finale mit Explosionen und Schießereien nicht ausgleichen kann.
(Bjoern Candidus)
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