ACROSS THE RIVER
(OLTRE IL GUARDO, Italien, 2013, Regie: Lorenzo Bianchini)
Ein Biologe begibt sich in die Wälder, um dort das Verhalten und den Bestand von Tieren zu beobachten. Mittels versteckter Kameras kann er das Treiben der Fauna bestens studieren. Dann stößt er auf ein verlassenes Bergdorf und macht eine mysteriöse Entdeckung, die Fragen aufwirft…
Dass man kein Spektakel braucht, um Spannung zu erzeugen, ist hinlänglich bekannt, und wenn man ein kleines Budget hat, muss man die Dinge nutzen, die sich einem bieten. Regisseur Lorenzo Bianchini nutzt hier die wunderbare Natur nordöstlicher Wälder Italiens und ein verlassenes Bergdorf. Daraus zieht er zwar die meiste Stärke, schwächt diese aber mit einem furchtbaren Color Grading, was irgendwann einsetzt und dann permanent über den Bildern liegt und damit die natürlichen Farben der Natur zerstört. Aber das blendet man irgendwann aus.
Über weite Strecken kommt ACROSS THE RIVER mit nur einem Darsteller aus, dem Biologen, und von dem folgen nicht mehr als 20 Sätze, die er auf sein Diktiergerät spricht. Erst im späteren Verlauf mischen sich die ein oder anderen Figuren mit in die Handlung, die allerdings schnell wieder verschwinden. Das, was der Biologe an unheimlichen Dingen erlebt, sieht er in erster Linie über seine Monitore, die die Inszenierung in die Nähe vom Found-Footage-Kino bringen. Allerdings sind die Bilder, die der Biologe hier sieht, Live-Übertragungen der Dinge, die gerade im Wald passieren. Auf diese Weise erzeugt Lorenzo Bianchini spannende bis unheimliche Momente. Schön sind die nächtlichen Aktivitäten von Füchsen, Wildschweinen, Rehen und Hirschen. Dass auf diesen Übertragungen dann auch noch andere Dinge erscheinen, ist fast klar.
Das Hauptproblem von Bianchinis Inszenierung ist ihre Länge. Renzo Gariup spielt den Biologen soweit ganz gut, aber irgendwann quälten mich die Momente, in denen er einfach nur herumsitzt und sich die Kamera im Schneckentempo von A nach B durch den Raum bewegt. Die Ruhe trägt zwar zur Atmosphäre bei, versetzte mich aber auch in Schläfrigkeit. Immerhin legt sich das im letzten Drittel.
ACROSS THE RIVER kombiniert Elemente von BLAIR WITCH PROJECT (1999) mit einer Spur Lovecraft und dem modernen Geister-Horrorfilm. Auch wenn die Ruhe letztlich seine Stärke ist, fehlt Bianchinis Film ein bisschen der Schwung.
(Bjoern Candidus)
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