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The Night of the Hunter, 1955 – ★★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

DIE NACHT DES JÄGERS
(THE NIGHT OF THE HUNTER, USA, 1955, Regie: Charles Laughton)

Der Wanderprediger Harry Powell sitzt wegen Autodiebstahls für 30 Tage im Gefängnis. Er teilt sich die Zelle mit Ben Harper, einem wegen Mordes und Bankraub zum Tode Verurteilten. Als Ben im Traum davon spricht, dass er die Beute, 10.000 $, vor seiner Verhaftung versteckt hat, wird Harry hellhörig, doch leider kann er das Versteck nicht herausfinden. Nach Harrys Entlassung macht er sich auf, um Bens Frau aufzusuchen, die mit ihren beiden Kindern am Ohio River wohnt. Schnell kann er das Herz von Willa Harper erobern, und auch die kleine Pearl fasst schnell Vertrauen. Anders sieht es bei Bens Sohn John aus, denn der misstraut Harry. Als Harry herausfindet, dass John und Pearl wissen, wo das Versteck der 10.000 $ ist, versucht er mit aller Macht auf die Kinder einzuwirken. Und da ist noch etwas: Harry Powell ist nebenbei ein psychopathischer Frauenmörder. 

Für gewöhnlich erwartet man Charles Laughton (HINTER DEN MAUERN DES GRAUENS, 1951) vor der Kamera, doch für DIE NACHT DES JÄGERS sollte er einmal selbst Regie führen. Basieren tut der Film auf Davis Grubbs Roman „The Night of the Hunter“ (1953), der sowohl familiäre Elemente als auch die des Serienmörders Harry F. Powers aufgreift. James Agee schrieb schließlich das Drehbuch. 

Von der ersten Minute an zieht einen DIE NACHT DES JÄGERS in seinen Bann. Die brillante Schwarzweißfotografie von Stanley Cortez besticht in jedem Frame und im weiteren Verlauf erwarteten einen Bilder ungeahnter Schönheit. Von Beginn an erfährt man, dass Harry Powell ein Frauenmörder ist, der als Wanderprediger singend mit seinen prägnanten Love & Hate – Handtattoos durch das Land zieht. Robert Mitchums höchst unangenehme Ausstrahlung in der Rolle von Harry Powell sorgt schnell dafür, dass man ihn hasst, unabhängig von seinen Taten, die er begeht. An ihm haftet die Aura des Bösen, auch wenn er seine religiösen Lieder singt. Erinnerung an Reverend Kane aus POLTERGEIST 2 (1986) werden wach. Wie eine Spinne nistet er sich in der kleinen Stadt ein, um das Herz der Menschen, insbesondere von Willa Harper und ihren Kindern John und Pearl zu erobern. Das gelingt Harry soweit ganz gut, und nur John stellt sich als Problem heraus. Problem und Lösung gleichermaßen, da John (und Pearl) weiß, wo die 10.000 $ versteckt sind. Und so kommt es immer wieder zu spannenden Szenen zwischen Harry und John, der von Billy Chapin dargestellt wird. Für einen Kinder Darsteller hat Chapin wirklich ein tolles Schauspiel abgeliefert. Recht wenig Spielraum bekommt die wunderbare Shelley Winters als Willa, aber die scheidet nun mal ab der Mitte aus, wenn die Inszenierung immer traumartiger wird. Plötzlich zeigt einem Laughton eine Unterwasser-Szene mit einer Leiche, die in einem Auto sitzt, was mich direkt an Argentos INFERNO (1980) denken lassen hat. Es kommt zu Szenen, in der die Schwärze dominiert und das Geschehen fast schattenspielartig wirkt und sich immer mehr in eine (Alp-)Traumwelt verwandelt. Die Studiokulissen sind ausgezeichnet und unterstreichen das Gefühl, plötzlich Einblicke in eine andere Welt zu bekommen. Der Thriller um einen Frauenmörder wird immer mehr zu einem düsteren Märchen über zwei Kinder, die auf der Flucht vor dem Wolf im Schafspelz sind. Aber es ist auch Hoffnung in Sicht: Lillian Gish als Rachel Cooper, die verwaiste und obdachlose Kinder bei sich aufnimmt. 

Doch bis etwas Licht am Horizont dieses finsteren Film Noir-Thriller-Dramas erscheint, was zur Zeit der Großen Depression (1929–1941) spielt, liefert Laughton einige harte Momente. Bereits am Anfang, wenn die Polizei Ben Harper vor den Augen seines Sohnes John verhaftet, ist übel. Das wird noch überboten, von dem Hinrichtungslied, was die die Kinder auf dem Schulhof singen und John damit zutiefst treffen. 

DIE NACHT DES JÄGERS ist ein beeindruckender, spannender Film, der sich durch seine Figurenzeichnungen, seiner geschickten Ideen und seiner experimentellen Herangehensweise zu Recht einen wichtigen Platz in der Filmgeschichte gesichert hat. 

(Bjoern Candidus)

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