DAHMER
(USA, 2002, Regie: David Jacobson)
Der Fall um den Serienmörder Jeffrey Dahmer beschäftigt seit langer Zeit auch die Filmwelt, und zuletzt war es der wunderbare Evan Peters, der in die Rolle des von den Medien betitelten „The Milwaukee Cannibal“ schlüpfte.
In DAHMER, der unter der Regie von David Jacobson entstanden ist, schlüpft Jeremy Renner in die Rolle des Serienmörders. Renner, der während der Dreharbeiten 21 Jahre alt war, hat hier einen sehr eindringlichen Jeffrey Dahmer abgegeben, den man in unterschiedlichen Zeitebenen beobachten darf. Zwischen seinen Taten in seiner Wohnung gibt es immer wieder Rückblenden in Jeffreys Jugend, in der es zu Problemen zwischen seinen Eltern (Mr. Dahmer wird von Bruce Davison verkörpert) und seiner Großmutter kommt und in der er sein erstes Opfer findet. Die Übergänge sind manchmal fließend, und man kann sich gut an den Jugendlichen Jeffrey mit Brille orientieren und an dem älteren Jeffrey, der auf diese verzichtet. Auf beiden Zeitlinien gelingt es Jacobson eine dichte Atmosphäre und Spannung zu erzeugen, in der Renner absolut aufzugehen scheint. Wer die Erwartung hat, hier ein Schlachtfest zu bekommen, in dem Jeffrey zahlreiche Männer tötet, dem sei versichert, dass es nicht so ist. Von den mindestens 16 Opfern konzentriert sich der Film auf zwei und auf einen Mann, der verdammt viel Glück hatte. Gedreht wurde teilweise an echten Originalschauplätzen in Milwaukee (und L.A.), allerdings wurden die Namen der Opfer geändert.
So richtig tiefe Einblicke in seine Jugend bekommt man nicht; alles wird sehr wage gehalten, was durchaus okay ist, denn um Dahmers Psyche zu ergründen, braucht man wohl mehr als 101 Minute. In den Rückblicken erlebt man einen recht aufgeweckten jungen, homosexuellen Mann, der von einer finsteren Seite angezogen und endgültig von ihr gepackt wird, als er seinen ersten Mord mit 18 Jahren begeht.
Der neuzeitliche Handlungsstrang konzentriert sich vor allem auf einen Asiaten, dem Jeffrey in den Kopf bohrt, um ihn zu einem willenlosen Sex-Sklaven zu machen. In erster Linie verbringt die Inszenierung aber viel Zeit mit Rodney, den Dahmer zu sich einlädt, um ihn zu töten. Doch es läuft nicht, wie es laufen soll. Hier kommt es zu spannenden Momenten zwischen Jeffrey und Rodney (Artel Kayàru), denn der fühlt sich sexuell von Jeffrey angezogen.
DAHMER ist größtenteils sehr schleichend inszeniert, erhöht immer an den richtigen Stellen das Tempo, um dann wieder in seine bedrückende Atmosphäre zurückzufallen. Die Fotografie ist durchaus ordentlich, die Sets sind gut ausgeleuchtet und der Score stimmt. Mit gerade mal 250.000 Dollar hat man es mit einem günstigen, aber sehr wertigen Serienmörder-Biopic zu tun, dem ein bisschen mehr Inhalt nicht geschadet hätte.
(Björn Candidus)
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