DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG
(IL GIOCATTOLO, Italien, 1979, Regie: Giuliano Montaldo)
Vittorio Barletta, ein Buchhalter aus Mailand, organisiert sich eine Pistole, weil er sich nach einem bewaffneten Überfall auf ein Restaurant, bei dem er angeschossen wurde, nicht mehr sicher fühlt. Als sein bester Freund, ein Polizist, vor seinen Augen erschossen wird, erschießt er den Täter und wird als Held gefeiert. Die Staatsanwaltschaft und die Komplizen des Täters sind alles andere als angetan und machen Vittorio das Leben schwer, der immer mehr in einen Strudel aus Verfolgungswahn und Selbstjustiz-Gedanken gerät.
Giuliano Montaldo (SACCO UND VANZETTI, 1971) hat hier eine höchst sonderbare Selbstjustiz-Krimi-Tragikomödie geschaffen, die vor allem wunderbar besetzt wurde.
Nino Manfredi ist in der Rolle von Vittorio Barletta zu sehen, der eine glänzende Performance abliefert. Seine leicht verschrobene Art kombiniert er mit trocknem Humor, der mit Verlauf des Films immer mehr verschwindet. Ab dem Punkt, wo er seinen besten Freund verliert und selbst jemanden erschießt, schwingt er in eine andere Richtung, die Manfredi ebenfalls gut zu Gesicht steht. Die gesamte Besetzung von DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG kann sich durchweg sehen lassen.
Auch inszenatorisch hat man es mit einem anspruchsvollen Werk zu tun, was sich mit erdigen Farben schmückt und insgesamt sehr realistischen aussieht, ohne dabei dröge zu erscheinen. Montaldo gelingt eine dichte, manchmal Atmosphäre zu erzeugen, selbst wenn es mal humorvoller zugeht. Für die Musik zeichnete sich Ennio Morricone verantwortlich, der bereits in der spannend inszenierten Eröffungs-Szene unüberhörbar zur Tat schreitet und sich gegen Ende in alte Giallo-Gefilde zurückverirrt. Ein insgesamt toller Score, der, wie der Film selbst, fast in Vergessenheit geraten ist.
Aber DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG hat auch seine Schattenseiten, denn Montaldo vergisst manchmal etwas die Zeit. Die ellenlange Dialoge, die zwar wunderbar zur Figurenzeichnung beitragen, vordern viel Sitzfleisch. Alles ist sehr ausgedehnt, aber trotzdem ist der Film ständig in Bewegung und liefert viele unterschiedliche Schauplätze. Dennoch sind fast zwei Stunden Spielzeit eine ganze Ecke zu lang.
Trotz seiner Längen ist DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG eine sehr interessante EIN MANN SIEHT ROT (1974) – Version, die vor allem durch die Darsteller zu überzeugen weiß.
(Bjoern Candidus)
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