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The Spider Labyrinth, 1988 – ★★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

SPIDER LABYRINTH
(IL NIDO DEL RAGNO, Italien, 1988, Regie: Gianfranco Giagni)

Professor Whitmore aus Dallas wird nach Budapest geschickt, um herauszufinden, warum sich Professor Roth nicht mehr meldet, der mit der Entschlüsselung von uralten Steintafeln beschäftigt ist. In Budapest angekommen, trifft Whitmore auf Roth, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Nachdem Roth Whitmore seine Aufzeichnungen zustecken kann, wird er tot aufgefunden. Dann stößt Whitmore auf ein mysteriösen Mann, der ihm dringend rät, abzureisen. Doch es ist zu spät, denn Whitmore befindet sich bereits im Netz eines Kultes. 

Neben DARK WATERS (1993) von Mariano Baino gehörte SPIDER LABYRINTH schon immer zu den Italo-Horror-Geheimtipps. Mein Erstkontakt mit Gianfranco Giagnis Regiearbeit war eine VHS-Kassette, die mir in den frühen 00er-Jahren in die Hände kam. Nach der Verabschiedung meines letzten Videorecorders verlor ich auch den Kontakt zu SPIDER LABYRINTH. Bis ich ihn nun endlich wiedersehen konnte. 

SPIDER LABYRINTH ist in vielen Hinsichten interessant. Wirft man einen Blick auf das Entstehungsjahr 1988, darf man über die Qualität, die hier geliefert wurde, erstaunt sein. Die Zeiten um Lucio Fulci, Lamberto Bava und Umberto Lenzi standen schlecht und die meisten ihrer Spätwerke lieferten nur noch mäßige Qualität. Dario Argento und Michele Soavi hatten diesbezüglich mehr Glück. Umso erstaunlicher ist es, dass plötzlich ein Debütant wie Gianfranco Giagni mit einem so stark inszenierten Horrorfilm um die Ecke kam. Zudem bietet SPIDER LABYRINTH eine eigene Geschichte, die ihn ohne Frage zu einem reinen Horrorfilm macht, der sich eher an einem Lovecraft-Universum anlehnt statt erneut die Welt der Zombies- oder Geisterhäuser zu betreten. Einen großen Einfluss hatte die Kurzgeschichte „Die Spinne“ (1908) des deutschen Schriftstellers Hanns Heinz Ewers.

Auch der Schauplatz ist etwas Besonderes, denn von den USA geht es nach Ungarn, genauer nach Budapest. Moderne Hochhäuser weichen einem pittoresken, fast märchenhaften Schauplatz, an dem sich SPIDER LABYRINTH zum Großteil aufhält. Historische Architektur, an der nicht selten der Zahn der Zeit nagt, erstrahlt in faszinierendem Licht. Insgesamt ist die Farbkomposition außerordentlich schön. Überall werden farbige Akzente gesetzt, vor allem in gelb, blau und grün und lassen einen unweigerlich an das Kino von Mario Bava und Dario Argento erinnern. Besonders SUSPIRIA (1977) und INFERO (1980) zeichnen sich immer wieder ab, wie auch Filme wie DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER (1976) und ZEDER (1983) von Pupi Avati oder MALASTRANA (1971) von Aldo Lado.  

Giagni hat hier eine faszinierende Horrorwelt geschaffen, als wäre es für ihn ein Kinderspiel gewesen. Seinen Protagonisten, Professor Alan Whitman, baut er ähnlich auf wie Lovecraft seine Erzähler, die sich immer tiefer in einen Abgrund bewegten, bis sie von ihm verschluckt werden. Dargestellt wird Whitman von Roland Wybenga, der in seiner Rolle relativ passiv bleibt, aber dennoch eine gute Figur abgibt. Etwas kümmerlich wirkt William Berger, der die Funktion des Warners vor dem Übel einnimmt. Insgesamt ist die Besetzung kein Argument für SPIDER LABYRINTH. Doch Giagni gleicht dieses Defizit durch alles andere aus. Neben dem äußerst gelungenen Set-Design und der sehr dichten Atmosphäre sind es auch die bizarren Horror-Szenen, die SPIDER LABYRINTH eine eigene Note verpassen. Es war eine hervorragende Idee, Sergio Stivaletti verpflichten zu können, der hier für die visuellen Effekten zuständig war. In Sachen Horror wird einiges geboten. Da ist zum einen ein weiblicher, sehr aggressiver Spinnen-Dämon, der der Welt eines Argentos oder Lamberto Bavas hätte entspringen können, zum anderen die Gore- und Stop-Motion-Creature-Effekte. 

Von jazzigen Tönen über klassische Horrorfilm-Klänge bis hin zu einem disharmonischen Klangteppich bietet der Score von Franco Piersanti viel Abwechslung und ist ein weiteres Qualitätsmerkmal. 

SPIDER LABYRINTH ist ein mysteriöser, spannender, sehr ordentlich inszenierter Horrorfilm, der inhaltlich nur wenig preisgibt und genau daraus seine stärke bezieht. Giagni und Produzent Tonino Cervi haben sich auf sehr gelungene Art an bekannten Themen bedient und damit etwas Neues geschaffen. 

(Bjoern Candidus)

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