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Motorrad, 2017 – ★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

MOTORRAD – THE LAST RIDE
(MOTORRAD, Brasilien, 2017, Regie: Vicente Amorim)

Die beiden Brüder Hugo und Ricardo sind mit ihren Freunden auf ihren Motorrädern unterwegs in der brasilianischen Einöde. Dort stoßen sie auf Paula, die ebenfalls mit ihrem Motorrad unterwegs ist und in der Nähe wohnt. Nachdem sie die Gruppe zu einem Sprung in einen See animieren kann, schlägt die gute Laune schnell um, als einer der Freunde verschwindet.

Ich hätte Vicente Amorims Regiearbeit gerne mehr abgewinnen wollen, denn die Antagonisten, eine vierköpfige Motorradfahrer-Gang, ganz in schwarz gekleidet, mit Protektoren und ebenso schwarzen Helmen mit Visier, sind ein ziemlicher Augenfang. Keiner von ihnen spricht ein Wort und ihr einziges Ziel scheint das sinnlose töten von Menschen zu sein, die „ihr“ Gebiet betreten. THE STRANGERS (2008) lässt grüßen. Das Gebiet, eine abgelegene Landschaft mit Steinbrüchen, Seen und Wiesen, wäre schön anzusehen, hätte man sich nicht dafür entschieden, den natürlichen Farbanstrich zu entsättigen. Vom ersten bis zum letzten Frame hat man es mit einem unnatürlichen Farbanstrich zu tun, der die Produktion mit einer Hässlichkeit überzieht, die ich mir nicht schöngucken konnte. In seltenen Fällen funktioniert sowas, aber insgesamt ist es ein Stilmittel, für das ich nur wenig Verständnis habe. Der Film, der unter dieser unschönen Digital-Patina steckt, ist leider auch nicht so gut, um einen Ausgleich zu schaffen. Eine Gruppe von Menschen unternimmt etwas in einer abgelegenen Gegend, in der sie von Killern grundlos dezimiert wird. Das ist wahrlich nicht innovativ, und hätte man es hier nicht mit zwei Gruppen auf Motorrädern in der brasilianischen Pampa zu tun, würde hier kein neuer Funke sprühen. Was hingegen sehr löblich ist: die Schweigsamkeit der Figuren, die kaum Zeit haben für dumme Sprüche, denn immerhin geht es schnell los mit dem Terror. Die Gewalt ist recht grob inszeniert und weiß zu überzeugen. Hätte sich Amorim auf die Kraft echten Lichtes verlassen, hätte er MOTORRAD zumindest gut als 70er-/80er-Retro-Terror-Thriller verkaufen können, aber das wollte er wohl nicht. 

Die Darsteller sind soweit okay, und besonders Guilherme Prates als Hugo macht was her. Viel Einsatz braucht man hier ohnehin nicht erwarten. Man fährt Motorrad, kämpft, läuft und fährt wieder Motorrad, und dann sind irgendwann 92 Minuten vorbei, von denen man gut 10 Minuten hätte streichen können. 

MOTORRAD – THE LAST RIDE liefert stylische, kompromisslose Killer mit Macheten und Eisenketten in einer kragen Felslandschaft, die digitalen Eingriffen zum Opfer fiel. Ansonsten bekommt man nichts, was man nicht schon x-fach besser (und schlechter) gesehen hat.   

(Bjoern Candidus)

←Grandmother’s House, 1988 – ★★★½
Prison, 1987 – ★★★→

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