BLUTBAD DES SCHRECKENS
(SCREAM BLOODY MURDER, USA, 1973, Regie: Marc B. Ray)
Nachdem Matthew als Kind seinen Vater mit einer Planierraupe überrollt und dabei selbst seine Hand verloren hat, wächst er in einer Heilanstalt auf. Nach seiner Entlassung kehrt er zurück zu seiner Mutter, die einen neuen Mann gefunden hat. Da Matthew aber keine anderen Männer duldet, bringt er ihn um. Bei der anschließenden Auseinandersetzung mit seiner Mutter schlägt diese mit dem Kopf auf einen Stein und stirbt. Matthew beseitigt die Spuren und macht sich auf, um das Land zu entdecken. Doch seine tote Mutter schaltet sich immer wieder in seinen Kopf und sorgt dafür, dass er die Liebhaber von Frauen beseitigt, um ihr Herz zu gewinnen. Als er auf die Prostituierte Vera stößt, verliebt er sich und kidnappt sie.
Die Welt der Filmpsychopathen ist groß, und besonders der Einfluss von PSYCHO (1960) wirkt bis heute. Marc B. Rays Regiearbeit BLUTBAD DES SCHRECKENS fährt einen weiteren Norman Bates auf, der in diesem Fall Matthew heißt und gut in eine WG mit Anthony Perkins und John Amplas (aus MARTIN, 1977) passen würde. Seine Hakenhand ist jedenfalls ein harter Kontrast zu dem eher sanften Typus.
Handwerklich gibt es an BLUTBAD DES SCHRECKENS nicht so viel auszusetzen. Er versprüht den Charme eines 70er-Jahre-B-Films, der schnörkellos und etwas grob daherkommt. Sein ländliches Setting und die vielen Tageslicht-Szenen verleihen der Inszenierung etwas sommerliches. Doch von Frohsinn und Heiterkeit soll hier nicht die Rede sein. Auch wenn der reißerische Titel mehr verspricht, als das BLUTBAD DES SCHRECKENS einhalten kann, gibt es ein paar recht explizite Morde. Doch der Fokus liegt nicht nur auf Schockeffekte, sondern auf dem Wahnsinn, der in Matthew stattfindet. Matthew wird von Fred Holbert dargestellt, für den dieser Auftritt hier sein erst und letzter in einem Film bedeutete. Ob oder wo auch immer er vorher Erfahrungen im Schauspiel sammeln konnte, hier hat er einen soliden Eindruck hinterlassen. Neben den vielen Darstellern, die nur in diesem Film in Erscheinung traten, hat sich auch eine spätere Genre-Ikone eingeschlichen: Angus Scrimm, der einen Kurzauftritt als Doktor hat.
Nachdem sich Matthew in der ersten Hälfte mörderisch ausleben darf, orientiert er sich in der zweiten vor allem auf Vera, die er in einem Haus gefangen hält, dessen Besitzer er ebenfalls getötet hat. Hier bewegt sich die Geschichte dann in Richtung MISERY (1990), nur soll Vera kein Buch schreiben, sondern Bilder malen und schon gar nicht ihr Geld mit Männern verdienen. Die Atmosphäre der ersten Hälfte geht in der zweiten leider etwas verloren, weil man sich nur noch in einem sehr langweiligen Haus aufhält, was viel zu hell ausgeleuchtet wurde. Am erstaunlichsten kommt allerdings das Finale daher, was mich an zwei sehr ähnlich gelagerte Filme erinnert hat: DON‘T GO IN THE HOUSE (1979) und MANIAC (1980).
BLUTBAD DES SCHRECKENS ist eine durchaus gelungene Mischung aus Psycho-Thriller, Horrorfilm und Früh-Slasher, dem die Schocks genau so wichtig sind wie die Figuren.
(Bjoern Candidus)
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