DRESSED TO KILL
(USA, 1980, Regie: Brian De Palma)
Die psychisch angeschlagene Kate Miller wird nach einem Museumsbesuch in einem Fahrstuhl bestialisch ermordet. Die Prostituierte Liz Blake kann im Spiegelbild des Fahrstuhls den Mörder erkennen, bevor sich die Türen schließen. Bei der Zeugenaussage bei der Polizei lernt Liz Kates Sohn Peter kennen, dem sie hilft, den Mörder seiner Mutter zu finden. Die wichtigste Adresse ist die des Psychiaters seiner Mutter. Ihn gilt es zu beschatten, weil der Mörder möglicherweise unter seinen Klienten zu finden ist.
Zeichnete sich die Hitchcock- und Argento-Liebe von Brian De Palma breites mit DIE SCHWESTERN DES BÖSEN (1972) ab, bricht sie in DRESSED TO KILL förmlich über einen ein. Ohne plump und anbiedernd zu sein, nutzt De Palme die Finesse seiner Vorbilder und liefert eine sexuell aufgeladene Story in stilistischen Bildern, die von Ralf D. Bode meisterlich fotografiert wurden. Elegante Kamerafahrten, effektive Splitsceen-Momente und Blinkwinkel heben De Palmas Inszenierung in ungeahnte Höhen, die einen unweigerlich an Hitchcock und an das italienische Giallo-Kino erinnern. Aber auch der Aufbau, die vielen sexuellen Motive, die Tätersuche durch zwei Privatpersonen und die geheimnisvolle Charakterzeichnung des unbekannten Täters, lassen auf Argento und Co schließen. Auch die Tötung Kate Millers mittels Rasiermesser in einem Fahrstuhl, hätte von Argento nicht besser inszeniert werden können.
Glaubt man anfangs, Angie Dickinson würde einen als Kate Miller durch den Film begleiten, wird man also schnell eines Besseren belehrt. Die Hauptfiguren sind Nancy Allen als Prostituierte Liz Blake und Kates Sohn Peter, der von Keith Gordon dargestellt wird. Beide ergeben sie ein sympathisches Gespann. Sie glänzt mit ihren Reizen, die sie geschickt für die Mörderjagd einsetzt, er trumpft als Technik-Nerd auf. Und dann ist da natürlich noch der große Michael Caine als Psychiater Dr. Robert Elliott, der hier eine äußerst unangenehme Art an den Tag legt. Als Sahnehäubchen gibt es oben drauf Dennis Franz als griesgrämigen Detective Marino. Das sind interessante Figuren, denen man jede Sekunde gerne folgt.
Immer wieder führt einen De Palma zu starken Sets, wie das Museum zu Beginn oder die U-Bahn-Station, in der Liz von einem Konflikt in den nächsten gerät. Überall ist was zu entdecken und wenn es nur die Figuren im Hintergrund sind, die sich über etwas empören, wie eine alte Frau, die ein Gespräch von Liz über eine Geschlechtsumwandlung eines Mannes lauscht. Begleitet werden die Bilder von Pino Donaggios Score, der teilweise etwas sehr schwer klingt, aber hervorragend zu den Bildern passt.
DRESSED TO KILL ist visuell betörend, atmosphärisch dicht und spannend inszeniert, toll besetzt und ein gutes Beispiel dafür, was dabei herauskommen kann, wenn Regisseure Regisseure lieben.
(Bjoern Candidus)
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