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Carrot and Stick, 1968 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

ZUCKERBROT UND PEITSCHE
(Deutschland, 1968, Regie: Marran Gosov)

Wurde die deutsche Kinolandschaft in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre noch geprägt von den Edgar Wallace- und Karl May-Filmen, die dem Publikum naive Abenteuer in handwerklich ordentlichen Produktionen lieferten, schlug die zweite Hälfte ganz andere Töne an. Und es war nicht nur Fassbinder, der kritische, unbequeme Themen aufgegriffen hat. 

Marran Gosovs Gangster-Liebes-Drama ZUCKERBROT UND PEITSCHE startet bereits höchst verstörend. Während die Credits eingeblendet werden sieht man einen Mann mit weißem Jackett, der mit einer Maschinenpistole in Richtung Kamera schießt, bevor er selbst getroffen wird und blutüberströmt dasteht. Nachdem er sich eine Zigarette ansteckt, wird einem klar, dass man sich in den Dreharbeiten zu einem Zigaretten-Werbespott befindet. Unter dem Motto „französisch lieben, englisch rauchen“ präsentiert ein Schönling Zigaretten, der sich kurz danach als der Gangster herausstellt, um den es hier geht. 

Nach dieser ungewöhnlichen Eröffnung lässt einen Gosov nicht lange zappeln und steuert seine kaltblütige Figur Roger Klaus in ein Juweliergeschäft, was er ausraubt. Dabei tötet er einen Mann mit seiner Maschinenpistole, was zu einer weiteren blutigen Szene führt, der im weiteren Verlauf noch einige folgen. Spontan fällt mir kein anderer deutscher Film ein, der seiner Zeit so blutig war, wenn es um Einschüsse in Körper geht. Aber es ist nicht nur die explizite Gewalt, die hier im Raume steht, sondern die provokanten Themen, die hier geöffnet werden
und durchaus auch satirische Spitzen durchblicken lassen.  

Da ist zum einen Robert Arnold (Harald Leipnitz), ein reicher Galerist, der seiner wesentlich jüngeren Ehefrau Helga alles bietet, nur immer weniger Aufmerksamkeit, was sie dazu treibt, ihre Augen auf einen smarten, aber brutalen Gangster und Mörder Roger zu werfen, der es Leid ist, immer nur den Reichen in seinen Werbespots spielen zu müssen. Helga wird gespielt von Helga Anders, die zur damaligen Zeit mit Roger Fritz verheiratet war, der hier Roger Klaus spielt. Ihre schicksalhafte Begegnung entwickelt sich zu einer ungewöhnlich harten Dreiecks-Geschichte, in der es neben erwähnten Gewaltausbrüchen mittels Schusswaffen auch zu Drogenkonsum und sexualisierter Gewalt kommt. Jeder verhält sich unmoralisch und jeder scheint an Stelle eines Herzens einen Stein zu haben. 

Gosov hat mit ZUCKERBROT UND PEITSCHE einen brisanten, provokanten, gut besetzten Film abgeliefert, bei dem man nie weiß, was als nächstes passiert, da die Zügel von Anbeginn locker hängen und die Figuren ohnehin die Grenzen der Moral verlassen haben. Wer mal wieder Abstand von Bonnie und Clyde oder Mickey und Mallory braucht, folgt einfach mal Helga und Roger.

(Bjoern Candidus)

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