WEIBCHEN
Deutschland, Frankreich, Italien, 1970, Regie: Zbynek Brynych)
Eve (Uschi Glas) braucht Entspannung und Erholung. Sie reist mit dem Zug nach Bad Marein, ins Sanatorium von Dr. Barbara. Schnell merkt sie, dass hier scheinbar die Frauen in der Überzahl sind und alles zu leiten scheinen. Das merkwürdige Verhalten des Personals und der Kurgäste irritiert Eve zunehmend. Als sie plötzlich eine männliche Leiche entdeckt, gerät sie immer mehr in den Strudel einer ominösen Gesellschaft, die in Bad Marein am wirken ist.
DIE WEIBCHEN von Regisseur Zbynek Brynych (ALS HITLER DEN KRIEG ÜBERLEBTE, 1967) ist ein weiteres Relikt aus einer Zeit, in der das Deutsche Kino noch unberechenbar war. Abenteuerfilme, Krimis, Dramen, Komödien, Sexfilme usw. wurden hier produziert, und manchmal tauchten auch Filme auf, die komplett aus der Art schlugen, wie dieser hier. Allerdings sei angemerkt, dass es sich um eine deutsch-französisch-italienische Co-Produktion handelt, die in Deutschland und in der damaligen Tschechoslowakei gedreht wurde.
Brynychs Inszenierung startet bereits verspielt, wenn die Kamera einen vorbeifahrenden Zug durch ein Fischauge filmt. Auch im weiteren Verlauf liefert Kameramann Charly Steinberger immer wieder spannende Blickwinkel und Kamerafahrten (z.B. im „Museum der dummen Männer“). Sofort springt einem auch die schrille und psychedelische 60er-/ 70er-Jahre-Ausstattung ins Auge. Eine wahre Fundgrube von Möbeln, Gemälden, Dekorationen, Kleidung, Brillen wartet auf einen. Dazu wird hier stark mit Licht gearbeitet. Besonders ein immer wiederkehrendes rotes Licht, was die Räume und Personen einfärbt, wirkt bedrohlich. In manchen Momenten drängte sich mir das Kino von Mario Bava auf. Aber es ist nicht nur die visuelle Kraft der Bilder, die hier herausstechen, sondern die bizarre Geschichte, die das Thema Feminismus auf außergewöhnliche Art und Weise bearbeitet. Den Aufschrei der Feministen liest man hier nicht nur zwischen den Zeilen, er wird regelrecht zelebriert.
Ob man sie mag oder nicht, Uschi Glas ist bestens besetzt, um in den sonderbaren Kosmos von Dr. Barbaras Sanatorium vorzudringen, in dem unglaublich irrsinnige Figuren auf einen warten, die mich immer wieder glauben lassen haben, Jess Franco und Helge Schneider hätten diesen Film inszeniert. Abgerundet wird der irre Trip von Peter Thomas beschwingten Score, der Hand in Hand mit den Bildern geht.
DIE WEIBCHEN ist ein außergewöhnlicher Hybrid aus Feminismus-Drama, Groteske, Kannibalen-Horror und Klinik-Krimi.
Valerie Solanas hätte den Film sicherlich geliebt, und nicht nur, weil man hier einen Blick auf ihr Buch „Scum“ (Scum – Manifest zur Vernichtung der Männer) werfen darf.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar