SCARLET DIVA
(Italien, 2000, Regie: Asia Argento)
Mit SCARLET DIVA gewährt einem Asia Argento tiefe Einblicke in das Leben der Anna Batista, einer fiktiven Erotik-Darstellerin, die auf der Suche nach einem Produzenten ist. Sie will ihr Drehbuch verfilmen und gerät dabei immer wieder an fiese, macht- und sexgeile Produzenten, die sie alle vögeln wollen.
Asia Argentos Regie-Debüt könnte familiärer nicht sein. Vater Dario und Onkel Claudio Argento haben produziert und Mutter Daria Nicolodi spielt ihre Film-Mutter, die nicht gerade mit Freundlichkeit beschlagen ist. Der ganze Film ist durchzogen von Drogenkonsum, Sex, wirren Tagträumen, Visionen, Gewalt, Depression, Hass, dem ausbeuterischen Geschmeiß der Filmbranche und der Suche nach Liebe. Argento macht kein Geheimnis daraus, dass ihr Film viele autobiografische Erlebnisse aufgreift, um von ihren Erfahrungen zu berichten und auch ihr Leben zu verarbeiten, was ihr Mitte der 90er-Jahre etwas entgleist ist. Und wer sollte besser in die Rolle passen als Asia Argento selbst? Niemand, und deshalb hat sie nicht nur die Story geschrieben und Regie geführt, sondern auch gleich die Hauptrolle übernommen.
Man darf sich auf eine grobe, sehr gelöste Darstellung freuen, die Asia als eine ziemlich kaputte Anna Batista zeigt, die einem Arschloch nach dem anderen begegnet, u.a. auch dem Künstler Joe Coleman, der hier eine Art Harvey Weinstein spielt. Auch die schlechte Beziehung, die sie zeitweise zu ihrer Mutter Daria Nicolodi hatte, wird hier aufgegriffen. Im Film spielt sie Annas drogensüchtige Mutter, die alles andere als Liebe für ihre Tochter übrig hat. Für beide war die Zusammenarbeit eine Art therapeutische Maßnahme.
Die Inszenierung wirkt hektisch, aber der billige Handkamera-DV-Look passt ganz gut, um das Geschehen authentisch zu halten. Manchmal zeigt sich SCARLET DIVA dokumentarisch, mal experimentell oder sonderbar überzeichnet. Die zahlreichen Drehorte (Niederlande, USA, England, Italien) bringen immer Abwechslung in die Inszenierung, in der es kaum Luft zum durchatmen gibt.
SCARLET DIVA ist wahrlich kein einfacher Film und wer Asia Argento grundsätzlich nichts abgewinnen kann, sollte von diesem die Finger lassen. Wer aber nicht nur Papa und Mama mag, darf sich auf ein feuriges Filmdebüt von ihrem Töchterchen freuen.
(Bjoern Candidus)
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