DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE
(THE 7 GOLDEN VAMPIRES, GB, Hongkong, 1974, Regie: Roy Ward Baker, Chang Cheh)
Nachdem DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (1973) den Tiefpunkt der Dracula-Reihe aus den Hammer-Studios darstellte, hat Christopher Lee endgültig sein Cape an den Nagel gehängt. Doch das Studio wollte nicht ablassen und spendierte der beliebten Figur einen weiteren Auftritt, den man diesmal zusammen mit den Shaw Brothers in Hongkong produzierte. Regie führten Roy Ward Baker und Chang Cheh.
Den klassisch europäischen Vampir-Stoff mit dem fernöstlichen zu kombinieren, ist keine schlechte Idee gewesen, wo das Hongkong-Kino jener Tage doch so beliebt war. Und so startet DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE erst mal in Transylvanien im Jahre 1804, wo sich ein Chinese auf den Weg durch die Karpaten macht, um Draculas Schloss aufzusuchen, was sich als Matte Painting über den Baumspitzen erhebt. Hier erwacht der Graf ein weiteres Mal, allerdings diesmal in Form von John Forbes-Robertson, der hier Christopher Lee ersetzt. Die Eleganz von Lee besitzt Forbes-Robertson nicht, aber seine hasserfüllten Blicke können soweit überzeugen. Inhaltlich geht es dann ähnlich hanebüchen weiter wie in DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT, nur, dass Dracula hier nicht direkt die gesamte Menschheit auslöschen möchte. Chronologisch gesehen kommt ihm diese dumme Idee, die ihn letztlich verhungern lassen würde, erst 73 Jahre später in den Sinn. Hier will er erst mal kleinere Brötchen backen und seine Schreckensherrschaft mit den sieben goldenen Vampiren in China starten. Nach dieser Pre-Titel-Sequenz springt die Geschichte 100 Jahre in die Zukunft, also ins Jahr 1904.
Wer es sich mal wieder nicht nehmen lassen hat, in seine bekannte Rolle zu schlüpfen, ist Peter Cushing. Ein weiteres Mal spielt er Professor Van Helsing, der diesmal in China verweilt, wo er ein Seminar über den Vampirmythos in China hält. Begleitet wird er von seinem Sohn Leyland Van Helsing (Robin Stewart) und dessen Geliebte Vanessa Buren (Julie Ege), die gemeinsam aufbrechen, um das Dorf des Studenten Hsi Ching (David Chiang) von einem Vampir-Fluch zu befreien. Cushing wirkt diesmal etwas zurückhaltender, fast gelangweilt, was wohl auch dem unausgegorenen Drehbuch geschuldet war.
Rein visuell geht die Mischung aus Vampir-Horror-Martial Arts und Abenteuerfilm auf. Die fernöstliche Kulisse ist sehr atmosphärisch inszeniert und zeigt sich in bunten Farben. Besonders das grüne und rote Licht, was in den Studioaufnahmen verwendet wurde und die Wiederauferstehung, wenn sich die Vampire aus ihren Gräbern erheben, unterstreicht den Horrorcomic-Charme, den die Inszenierung mitbringt. Etwas sonderbar sehen die Vampire aus, denen man dicke Schichten von Pappmaschee ins Gesicht gepappt hat, was mit einer goldenen Maske versiegelt wurde.
Statt klassischer Horror-Szenen, in denen die Blutsauger über die Menschen herfallen, konzentriert sich DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE mehr auf Martial Arts-Kämpfe, in denen auch Messer und Schwerter zum Einsatz kommen. Auffällig ist der recht großzügige Einsatz von Blut, was sich farblich mal wieder viel zu hell präsentiert.
Schlösser und pittoreske Dörfer mit Kirchen und Schänken weichen in DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE chinesischen Tempeln und Schlachtfeldern unter freiem Himmel.
Und so präsentiert sich der letzte Teil der Hammer-Dracula-Reihe als optischer Sonderling, dem es zwar an Spannung und einer vernünftigen Story mangelt, nicht aber an Atmosphäre und wilden Kämpfen.
(Bjoern Candidus)
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