KALIBER 38 – GENAU ZWISCHEN DIE AUGEN
(QUELLI DELLA CALIBRO 38, Italien, 1976, Regie: Massimo Dallamano)
Nachdem der Bruder des Gangsterbosses Marsigliese von der Polizei erschossen wird, führt er einen Rachefeldzug an, der Turin in ein Blutbad verwandelt. Autos explodieren, Menschen werden erschossen, sowie auch die Frau von Inspektor Vanni. Die Polizei gründet eine Spezialeinheit, die das geltende Recht infrage stellt, was zu moralischen Konflikten in Vanni führt, der sich nicht Rache verlieren möchte.
Nachdem Massimo Dallamano mit DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER (1974) auf fulminante Art den Poliziottesco mit dem Giallo kombinierte, bekommt es hier die Polizei mit der Mafia zu tun, die auf brutale Weise Turin terrorisiert.
In kalten, authentischen Bildern zeichnet Dallamano das Leben und das Sterben in Turin, wenn Geiselnahmen und versteckte Bomben in Autos oder auf Wochenmärkten ihr Unheil bringen. Im Rahmen von Fernsehaufnahmen bekommt man dann auch die Opfer der Sprengsätze zu Gesicht. Sehr hart ist es auch wenn eine Mutter vor ihrem kleinen Kind erschossen wird. Hier wird nichts verschönt, um die finstere Zeit Italiens darzustellen.
An der Spitze der Polizei, die mit einem Spezialkommando gegen die Mafia vorgeht, ist Marcel Bozzuffi als Inspektor Vanni, der nicht locker lässt, das Übel zu bekämpfen, was von Ivan Rassimov als Marsigliese angeführt wird. Bozzuffi und Rassimov passen hervorragend ins Bild und funktionieren gut als Feindespaar. Ebenfalls an Bord: Antonio Marsina und Franco Garofalo.
KALIBER 38 startet direkt mit einer Schießerei zwischen der Polizei und einer Bande die zum Mafiaboss Marsigliese gehört. In den ersten Minuten gibt Dallamano bereits eine Vorschau darauf, was einen in den nächsten 100 Minuten erwarten wird. Dallamano liefert viele gut fotografierte Action-Szenen mit Auto- und Motorrad-Verfolgungsjagden, Schießereien und Prügeleien vor vielen unterschiedlichen Schauplätzen von Turin. Wie in vielen anderen Poliziottesci geht es auch hier um die Frage, wie weit darf die Polizei gehen, um weitere Gräueltaten zu verhindern und wann wird das geltende Gesetz überschritten. Während dieser Konflikte darf man den wundersamen Klängen von Stelvio Cipriani lauschen.
KALIBER 38 nimmt sich auf sämtlichen Ebenen genug Zeit, um sich entfalten zu können, ohne als 08/15-Polizeifilm im Gros zu verschwinden.
(Bjoern Candidus)
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