THE BABY
(USA, 1973, Regie: Ted Post)
THE BABY handelt von einer gestörten Mutter und ihren beiden nicht weniger gestörten Töchtern, die ihren Sohn nicht aus dem Babyalter befreien will. Zu dritt züchten sie sich im wahrsten Sinne des Wortes ein 21jähriges (unfreiwilliges) Adult Baby, was gefüttert und gewickelt wird und in einem Gitterbett schlafen muss. Es krabbelt herum, spielt mit Bällen und wenn es böse ist, wird es mit Stromschlägen gefoltert. All das gefällt der Sozialarbeiterin Ann Gentry gar nicht. Sie wird aktiv, um den jungen Mann aus dem Baby-Konstrukt seiner Familie zu befreien, natürlich nicht ohne Gegenwehr.
Wer nach bizarren, kontroversen und oft grenzüberschreitenden Filmen sucht, der wird im 70er-Jahre-Kino bekanntlich fündig. Einer dieser von der Norm abweichenden Filme ist THE BABY von Ted Post (RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN, 1970).
Nicht nur die Story von THE BABY ist bizarr, sondern auch die Umsetzung. Hier wird ein wahrhaft irrsinniger Zirkus geboten, der unter die Haut geht. Besonders David Mooney muss als Baby besonders gelobt werden. Sich derart vor der Kamera in einer Rolle entwürdigen zu lassen ist nicht selbstverständlich, und er spielt das Baby erschreckend gut. Und so nervig, wie die meisten Babys sind, ist auch dieses 21-jährige, was schreit, weint, kichert oder sonstige Laute von sich gibt. Die Darstellung geht auf sehr unangenehme Art unter die Haut, das Geschrei in die Ohren. Aber nicht nur das Baby überzeugt, sondern die ganze, vor allem weibliche Besetzung. Ruth Roman spielt die Mutter des Babys, Marianna Hill und Susanne Zenor ihre Töchter Germaine und Alba Wadsworth, die allesamt überzeugend den Verstand verloren haben. Als Sozialarbeiterin Ann Gentry springt Anjanette Comer ein, die sehr charismatisch ist.
Der Film funktioniert sehr gut, da Post die Sache mit vollem Ernst angeht. Er baut die Geschichte langsam auf, streut immer wieder wahnsinnige Momente und verzichtet weitestgehend auf vordergründige Schocks. Die ganze Situation und die verstörenden Szenen, wenn man das Baby in seinem Alltag sieht, reichen völlig aus, um sich hier die Haare zu raufen. Einen kleinen Abstrich gibt es beim Score von Gerald Fried, der mir zu schwermütig war.
THE BABY ist von vorn bis hinten ein äußerst unangenehmer, zutiefst verstörender Psycho-Thriller, den man so schnell nicht wieder vergisst.
(Bjoern Candidus)
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