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Mysterious Skin, 2004 – ★★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

MYSTERIOUS SKIN 
(Niederlande, USA, 2004, Regie: Gregg Araki)

Gregg Araki hat mit MYSTERIOUS SKIN den gleichnamigen Roman von Scott Heim aus dem Jahre 1995 adaptiert, der das heikle Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern aufgreift. 

MYSTERIOUS SKIN konzentriert sich in erster Linie auf zwei 19-jährige Jungs in einer US-Kleinstadt, die völlig unterschiedliche Leben führen. Der eine ist Brian, der glaubt, mit 8 Jahren von Außerirdischen entführt worden zu sein, der andere ist Neil, der mit 8 Jahren von seinem Baseballtrainer sexuell missbraucht wurde. Während Brian ziemlich zurückgezogen bei seiner Mutter lebt und sich immer mehr in den Gedanken versteift, wirklich von Außerirdischen entführt worden zu sein, verdient sich Neil als Stricher sein Geld. Während Brian naiv und verletzlich wirkt, ist Neil cool, scheint befreit von Angst zu sein und lebt seine Homosexualität offen aus.

Lange Zeit springt MYSTERIOUS SKIN zwischen den beiden Handlungssträngen hin und her, die sich irgendwann treffen. Brian macht sich auf die Suche nach Neil, der in der gleichen Baseballmannschaft war, deren Trainer Neil missbraucht hat. Neil erlebt man bei der Arbeit, bei der er in erster Linie alte Männer sexuell befriedigt, bis er die Gefahren dieses Jobs am eigenen Leib erlebt. 

Trotz einiger harter Szenen, hat es Araki hervorragend verstanden, nie zu explizit zu sein und das sexuelle Geschehen vielmehr im Kopf des Zuschauers stattfinden zu lassen, was es nicht weniger unangenehm macht. MYSTERIOUS SKIN konzentriert sich mehr auf seine Figuren, wie sie sich entwickeln, wie ihr soziales Gefüge ist. Mit Joseph Gordon-Levitt hat man einen wunderbaren Darsteller an Bord, der Neil mit einer unglaublichen Leichtigkeit zu spielen scheint. Unter seinem dominanten Spiel geht Brady Corbert als Brian etwas unter, aber das passt irgendwie auch zur Figur. 

Aber MYSTERIOUS SKIN ist nicht nur ein inhaltlich starker Film, sondern auch ein visuell sehr schöner. Kameramann Steve Gainer liefert ein realistisches Bild der frühen 2000er-Jahre, hält sich fern von Wackelbildern, aber versteht es manchmal ebensogut in traumartige Gefilde abzudriften. Musikalisch wird das Ganze von Harold Budd, Robin Guthrie und einer ganzen Reihe anderer Musiker und Bands veredelt. 

MYSTERIOUS SKIN ist ein starker Beitrag zum Thema sexueller Missbrach und Prostitution, der mehr erzählt, als viele andere Filme, die diese Bereiche öffnen. Gregg Araki hat viel Mut bewiesen und ein zutiefst emotionales Drama gezaubert, was mich am Ende zu Tränen gerührt hat. 

(Bjoern Candidus)

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