DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN
(THE HOUSE OF THE LONG SHADOWS, GB, 1983, Regie: Pete Walker)
Der erfolgreiche Romanautor Kenneth Magee geht mit seinem Verleger eine Wette ein. Er wettet, dass er binnen 24 Stunden in einem verlassenen Herrenhaus einen Horrorroman schreiben kann. Sein Verleger kann es kaum abwarten und organisiert den Besuch in einem alten Haus in Wales. Doch als Magee dort ankommt, stellt er schnell fest, dass er mitnichten alleine ist.
Wenn die Filmschmiede Cannon einen Film von Pete Walker produziert und Namen wie Vincent Price, Christopher Lee, Peter Cushing und John Carradine auffährt, sollte man meinen, dass nichts schief gehen kann. Dass Walker ein Händchen dafür hat, alte Leute zu inszenieren, geht hier gleich doppelt gut auf. Ebenso versteht er es auch hier, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen und schließt in dem Punkt an sein vorheriges Werk an. Ein verlassenes, von Spinnweben und Staub benetztes Herrenhaus in Wales über dem Regen und ein Gewitter hereinbricht, dient als Schauplatz. Hat sich Walker vorher thematisch mehr auf moderne Themen spezialisiert, in denen der Terror Einzug erhält, greift er hier zu einer klassischen Horrorgeschichte, die auf dem Theaterstück „Seven Keys to Baldpate“ von George M. Cohans basiert und später von Michael Armstrong (HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT, 1970) zu einem Drehbuch umgeschrieben wurde.
Mit Desi Arnaz Jr. als Schriftsteller Kenneth Magee hat man es mit einem eher blassen Protagonisten zu tun, der im Schatten der vier Größen komplett untergeht. Nach und nach trudelt die Altherrenriege des Horrorkinos ein und verspricht dem Zuschauer ein großes Vergnügen. Doch lange Zeit wird hier vor allem geredet und geredet, während sich die anfängliche Spannung leider etwas auflöst. Diese kommt zwar nach gut einer Stunde Spielzeit schlagartig zurück, doch bis dahin vergeht unnötig viel Zeit, in der es eindeutig an Schauwerten mangelt. Andererseits ist es auch immer ein Vergnügen, Price, Lee, Cushing und Carradine in einem Raum zu haben, denn allesamt machen sie das, was sie am besten können: schauspielern. Zu der Familiensippschaft, die sie hier bilden, gehört auch Walkers Liebling Sheila Keith, die als Victoria mal ausnahmsweise freundlich gezeichnet wird.
Im letzten Drittel, wenn der Film dann Fahrt aufnimmt, gibt es ein paar spannende Momente, die sich zu einem Finale mit einem Plottwist bewegen, der mich leider gar nicht überzeugen konnte.
DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN ist glänzend besetzt, bietet eine durchweg dichte Gruselatmosphäre im gefühlt tausendsten Herrenhaus des Horrorkinos, aber liefert am Ende zu wenig, um mich vollends zu überzeugen.
(Bjoern Candidus)
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