DER POLYP – DIE BESTIE MIT DEN TODESARMEN
(TENTACOLI, Italien, USA, 1977, Regie: Ovidio G. Assonitis)
Vor Solana Beach, was an der kalifornischen Küsten liegt, verschwinden Menschen, die kurze Zeit später als grausame Leichen angespült werden. Anfänglich geht man von einem Hai aus, doch die Tötungsspuren sprechen eine andere Sprache. Der Journalist Ned Turner und der Meeresbiologe Will Gleason gehen der Sache gemeinsam auf die Spur, die darauf hindeutet, dass ein riesiger Tintenfisch vor der Küste sein Unwesen treibt.
Nach dem weltweit riesigen Erfolg von DER WEISSE HAI (1975) folgten unzählige Tierhorrorfilme, die nicht selten auf dem Meer, bzw. in Küstenregionen angesiedelt wurden. Die italienisch-us-amerikanische Produktion DER POLYP ist einer dieser Tierhorrorfilme, die direkten Bezug auf Spielbergs Klassiker nehmen.
Spätestens mit 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER (1954) wurde der Tintenfisch auf der Kinoleinwand etabliert, wo er sich immer mal wieder präsentierte, z.B. auch in DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (1955). Der Vorteil bei einem Tintenfisch ist der, dass das Tier auch außerhalb des Wassers agieren kann, was man hier direkt am Anfang sehen, bzw. nicht sehen kann, da das plötzliche Verschwinden eines Kleinkindes am Ufer im Off passiert. Hauptsächlich verbreitet der Tintenfisch hier allerdings seinen Schrecken im Wasser, wo er Menschen nach unten zieht, ihre Knochen bricht, ihr Fleisch bis zu den Knochen abnagt und das Knochenmark aussaugt, wie es der Gerichtsmediziner erklärt. Der Tintenfisch wird meist von einem echten verkörpert, der hin und wieder, um seine Größe zu darzustellen, gegen ein Modellschiff antritt. Die Tier-Szenen sind solide inszeniert und geschnitten, und besonders der Kampf mit zwei Orcas hat mir gefallen. Tiere gegen Tiere antreten zu lassen, ist im Rahmen des Tierhorrorkinos tatsächlich originell. Dennoch sollte man in den Horror-Bereichen seine Erwartungen zurückschrauben.
Insgesamt ist DER POLYP gut in Szene gesetzt, ist stets versiert fotografiert und bringt eine sommerliche Atmosphäre mit, und der Score von Stelvio Cipriani verstärkt diese zusätzlich. Bemerkenswert ist auch die namhafte Besetzung. Henry Fonda hat zwar nur einen kurzen Auftritt, aber dafür bekommen John Huston und Shelley Winters als Geschwister mehr Spielzeit. Bo Hopkins ist als Meeresforscher und eine Art Walflüsterer am Start, der allerdings ziemlich passiv wirkt. Aber für Aktivitäten hat er ja seine Orcas.
Ovidio G. Assonitis hat mit DER POLYP einen gelungenen Tierhorrorfilm gezimmert, dem allerdings im Mittelteil etwas die Spannung ausgeht, was er aber immer mit schönen Bildern ausgleichen kann.
(Bjoern Candidus)
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