ICH SPUCK AUF DEIN GRAB
(I SPIT ON YOUR GRAVE, USA, 1978, Regie: Meir Zarchi)
Jennifer möchte ein paar Tage ausspannen und fährt aufs Land. Dort mietet sie sich ein Haus an einem Badesee, wo sie jedoch nicht unentdeckt bleibt. Vier Männer lauern Jennifer auf, die sie vergewaltigen und verprügeln. Im Glauben, Matthew, der Trottel, hätte seinen Auftrag, Jennifer zu töten, durchgeführt, setzen sie ihren Alltag fort, während sich Jennifer von ihrem Martyrium erholt und einen Racheplan schmiedet.
Inhaltlich hat ICH SPUCK AUF DEIN GRAB wirklich nichts Neues zu erzählen und kopiert auf simple Art und Weise Rape-and-Revenge-Klassiker wie WER GEWALT SÄT (1971), LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) oder THRILLER (1973). Doch es ist gerade die einfache Struktur von Zarchis Inszenierung, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. Auch das TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) blitzt kurz auf, wenn es in einen Lebensmittelladen geht. Das sommerliche Wald-und-Wiesen-Setting hält einen friedlichen Ort parat, wie ihn fast jeder kennt, doch dieser wird zum puren Alptraum für eine anfangs noch wehrlose Frau, die hier wirklich viel ertragen muss.
Mehrere Male wird Jennifer minutenlang vergewaltigt, geschlagen und getreten, was es auch dem Zuschauer nicht gerade einfach macht. Das Ausschlachten dieser Szenen kann man Zarchi schon vorwerfen, und es wäre ein leichtes gewesen, das Martyrium auf andere Art und Weise zu inszenieren. Einfacher wird es hingegen, wenn Jennifer zum Gegenschlag ausholt und den vier Männern das Licht ausbläst. Das Highlight dürfte dabei das Ausbluten in einer Badewanne nach einem Messerschnitt in einen Penis sein. Die Genugtuung für Jessica wird zur Genugtuung des Zuschauers.
Zarchi hält mit nichts zurück und liefert eine Grausamkeit nach der anderen. Dabei macht seine Hauptdarstellerin Camille Keaton als Jennifer eine verdammt gute Figur, vor allem dann wenn sie in den Rachemodus schaltet. Den raschen Wandel ihres Charakters kann man Zarchi zwar vorwerfen, aber man befindet sich schließlich im Exploitationkino, und da erwartet man nichts anderes. Mit Johnny, Matthew, Stanley und Andy bekommt man die typischen Widerlinge, die bestens in Krugs Gang (LAST HOUSE ON THE LEFT) aufgehoben wären.
ICH SPUCK AUF DEIN GRAB ist ein äußerst brutaler, kompromissloser Rape-and-Revenge-Thriller, der sich nicht hinter seinen Vorbildern verstecken muss.
(Bjoern Candidus)
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