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Feed, 2005 – ★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

FEED
(FEED, Australien, 2005, Regie: Brett Leonard)

Phillip Jackson, ein Cop, der auf Internetkriminalität spezialisiert ist, ist einem Mann auf den Fersen, der Frauen vor laufender Webcam mästet, scheinbar mit gegenseitigem Einverständnis. Da es offensichtliche keine Anzeichen für Gewaltakte gibt, sind ihm die Hände gebunden, doch dann ermittelt er auf eigene Faust.

In den 2000er-Jahren wurde es mal wieder Zeit, die Grenzen des Horrorfilm-Publikums neu zu erforschen. HIGH TENSION (2003), SAW (2004), HOSTEL (2005) und viele weitere sehr harte Genre-Vertreter stürmten die Kinos oder Videotheken. Manche dieser Filme reduzierten sich vor allem auf Folter- und Gewalteinlagen, um das Publikum möglichst zu schockieren. FEED ist in dieser Torture-Porn-Horror-Welle entstanden. Von Folter soll hier zwar nicht die Rede sein, aber Regisseur Brett Leonard (DEAD PIT, 1989) nutzt sämtliche angesagte Zutaten, um auf dieser Welle irgendwie mitreiten zu können. Webcams, die die Fütterungen einer über 300kg schweren Frau (die Darstellerin steckt in einer Fatsuit) live ins Internet übertragen, mögen damals noch neu gewesen sein, gehören aber heute zum Alltag des Internets. Leonard setzt sich nur vordergründig mit dem Thema des Feeder/Feedee-Fetischs auseinander und nutzt es lediglich, um dem Zuschauer auf möglichst eklige Art und Weise zu unterhalten. Ganz nebenbei greift er auch den Fall um Armin Meiwes, dem Kannibale von Rotenburg auf. Am Anfang gibt es eine in Deutschland angesiedelte Szene, (die in Australien gedreht wurde) in der die deutsche Polizei mit Hilfe von us-amerikanischer Seite ein Haus stürmt, in dem ein Penis in der Pfanne brutzelt, der einem Mann gehört, der eine Etage höher wünscht, von seinem Freund gegessen zu werden. Das mache ich dem Film überhaupt nicht zum Vorwurf. Leider schafft es Leonard aber nicht, einen packenden Thriller zu inszenieren. Lieber verlässt er sich auf simplen Ekel. Allein kann man ihm den Vorwurf aber nicht machen. Die in den Hauptrollen besetzten Alex O’Loughlin als Michael Carter und Patrick Thompson als Phillip Jackson hatten nämlich die Idee zu der Story, die dann von Kieran Galvin geschrieben wurde.

Was mich hier mehr angewidert hat als die Fütterungen ist das penetrante Color Grading. Die meiste Zeit über ist das Bild in Gelb oder Blau getönt und entzieht dem Film jegliche Natürlichkeit. Der Film ist nervig geschnitten und sieht so hässlich aus wie sich die Figuren hässlich verhalten. Patrick Thompson als griesgrämiger Cop Phillip Jackson ist mindestens genauso unsympathisch wie Alex O’Loughlin als aalglatter Adoniskörper-Feeder Michael Carter. Die Lächerlichkeit beider Figuren nimmt im Laufe des Films immer mehr zu und sprengt am Ende noch den Rahmen. Mit der Spannung verhält es sich ganz umgekehrt. War die anfänglich noch etwas vorhanden, schwindet sie von Minute zu Minute immer mehr.

FEED ist echt nicht fett.

(Bjoern Candidus)

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